Als besondere Würdigung der Verdienste um das Gemeinwohl zeichnet der Bundespräsident sowohl politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen als auch Verdienste im sozialen, karitativen und mitmenschlichen Bereich aus. Auf Anregung aus der Bevölkerung schlägt der Ministerpräsident Kandidaten vor. Die Auszeichnung an Bürgerinnen und Bürger aus Schleswig-Holstein wird in der Regel durch den Ministerpräsidenten überreicht.
Laudationes
Der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Jörg Bochnik (Heiligenhafen), Dietrich Mohr (Neumünster), Hans Hinrich Neve (Stafstedt), Michaela Peschel (Kiel), Professor Dr. Werner Reinhart (Flensburg) und Werner Scheel (Sarlhusen) mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Ministerpräsident Daniel Günther überreicht die Ehrung am 16. Juni 2026 in Kiel.
Bundesverdienstorden – Aktuelle Laudationes
Jörg Bochnik, Heiligenhafen
Jörg Bochnik setzt sich seit über 50 Jahren ehrenamtlich für die Belange des Regionalverbandes Ostholstein des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) ein, den er 1969 mitbegründete. Er engagierte sich im Katastrophenschutz, wurde Jugendleiter im Ortsverband und Landesjugendleiter. 1982 trat er dem Vorstand des ASB Regionalverbandes Ostholstein bei und wurde dort 2001 Vorsitzender. Unter seiner Leitung hat sich der Regionalverband zu einer Hilfsorganisation mit über 5.000 Mitgliedern entwickelt. Zu seinen Verdiensten zählen der Aufbau der ambulanten Pflege, die Einführung des Hausnotrufes, die Unterstützung bei der Entstehung der damaligen Schnelleinsatzgruppe sowie der Einsatz von Besuchshunden und einer Drohnengruppe. Auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Fehmarnbeltregion lag ihm am Herzen. Er war Mitbegründer der Beltsamariter, die noch heute aktiv sind. Zusätzlich engagiert er sich für die Öffentlichkeits- und Medienarbeit und gestaltet seit fast 40 Jahrendie "ASB-Post". Anfang 2026 legte er seine Vorstandsämter nieder, engagiert sich aber weiterhin in der Medienarbeit.
Verdienstkreuz am Bande, Juni 2026
Dietrich Mohr, Neumünster
Dietrich Mohr hat jahrzehntelang die Jugendverbandsarbeit in Neumünster geprägt. 1989 war er Mitbegründer des Jugendverbands Neumünster. Für viele Jahre trug er Verantwortung für die 39 Mitgliedsvereine und -verbände mit rund 17.000 Mitgliedern, von 2016 bis 2025 als Vorsitzender. Ein besonderes Anliegen war ihm die politische Bildung junger Menschen. Mit dem von ihm initiierten Projekt "Demokratie erleben – Jugend trifft Politik" hat er gemeinsam mit Jugendlichen ein Format geschaffen, das Erstwählerinnen und -wähler mithilfe selbständig entwickelter Workshops und Diskussionsrunden an politische Prozesse heranführt und den Dialog mit Politikerinnen und Politikern ermöglicht. Darüber hinaus hat er das Kinderferienprogramm "FerienSpass" etabliert und weiterentwickelt. Über viele Jahre war er für die Planung und Organisation des Weltkindertags in Neumünster verantwortlich und erstellte ein Konzept für Vereine und Verbände beim R.SH-Kindertag, um Kinder- und Jugendthemen kindgerecht der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Verdienstkreuze am Bande, Juni 2026
Hans Hinrich Neve, Stafstedt
Hans Hinrich Neve engagiert sich seit nahezu fünf Jahrzehnten im Ehrenamt, schon früh in der Landjugend auf Kreis- und Landesebene. In seiner Heimatgemeinde Stafstedt ist er seit 1998 Bürgermeister. Als Amtsvorsteher des Amtes Jevenstedt setzt er sich seit über zwei Jahrzehnten gemeinsam mit den Gemeinden für viele öffentliche Projekt ein – darunter die Stärkung der örtlichen Schulen, der Kindertagesstätten und des Freibads. Zudem kümmerte er sich um den Neubau der Multifunktions-Aula in Jevenstedt und trieb den Ausbau der Breitbandversorgung im mittleren Schleswig-Holstein als Vorsteher des zuständigen Zweckverbandes voran. Über viele Jahre prägte Hans Hinrich Neve auch die Politik im Kreis Rendsburg-Eckernförde und engagiert sich seit über 30 Jahren in der landwirtschaftlichen Verbandsarbeit. Von 2009 bis 2022 war er Abgeordneter des Schleswig-Holsteinischen Landtages und setzte sich dort unter anderem für die Stärkung des Ehrenamtes ein.
Verdienstkreuz am Bande, Juni 2026
Michaela Peschel, Kiel
Michaela Peschel war 1988 Mitbegründerin einer Initiativgruppe und eröffnete ein Jahr später das erste Autonome Mädchenhaus Schleswig-Holstein mit einer Anlauf- und Beratungsstelle in Kiel. Es war mit seinen Angeboten und anonymen Schutzräumen landesweit einmalig. Seit der Eröffnung leitet sie das Autonome Mädchenhaus und hat die Angebote erheblich erweitert, beispielsweise um eine rund um die Uhr erreichbare Unterbringungsmöglichkeit für Mädchen und junge Frauen, eine Wohngruppe sowie ein ambulantes Betreuungsangebot. Gemeinsam mit ihrem Team bietet sie Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte an und baute mit anderen Institutionen ein breites Hilfs- und Unterstützungsnetzwerk auf. Außerdem werden Vorträge und Kulturveranstaltungen zu Themen rund um Mädchenarbeit, Jugendhilfe, Gewalt, Trauma und Trauer angeboten. Michaela Peschel engagiert sich darüber hinaus ehrenamtlich in der Landesarbeitsgemeinschaft Mädchen und junge Frauen, im Landesjugendhilfeausschuss und im Verein "Frauennetzwerk zur Arbeitssituation".
Verdienstkreuz am Bande, Juni 2026
Professor Dr. Werner Reinhart, Flensburg
Professor Dr. Werner Reinhart hat sich als Präsident von 2012 bis 2024 um die Profilierung, Internationalisierung und Weiterentwicklung der Europa-Universität Flensburg verdient gemacht. Unter seiner Leitung wurden europäische Themen systematisch in den Mittelpunkt von Forschung und Lehre gerückt, unter anderem durch den Ausbau des International Centers. Die Zahl internationaler Hochschulpartnerschaften wuchs unter seiner Präsidentschaft auf insgesamt 140. Er machte sich stark für die Einrichtung von zahlreichen Europaprofessuren sowie für die Entwicklung innovativer Studienformate mit europäischen und internationalen Perspektiven. Mit dem "Flensburger Modell der Lehrkräftebildung PLUS" setzte er neue Maßstäbe, mit einem Zentrum für digitales Lernen an Schulen entstand eine Plattform, die Konzepte für das Bildungssystem im digitalen Wandel entwickelt. Auch für die Minderheiten machte er sich stark: mit einer Ansprechperson an der Universität für Minderheiten, mit einer Professur für Minderheitenforschung, Minderheitenpädagogik und Nordfriesisch sowie den Fächern Friesisch und Niederdeutsch im Lehramtsstudium.
Verdienstkreuz am Bande, Juni 2026
Ernst Scheel, Sarlhusen
Ernst Scheel ist seit 2012 Vorsitzender des Vereins Naturpark Aukrug. 2014 begleitete er die Übergabe der Trägerschaft für den Naturpark in die Vereinsarbeit. Er ist Brückenbauer zwischen der Naturschutzarbeit und konventioneller Landwirtschaft und setzt sich für die Artenvielfalt, die typischen Lebensräume der Region und den Gewässerschutz ein. Um die Naherholung und den Tourismus zu fördern, hat er den Ausbau und die Kennzeichnung des Wanderwegenetzes im Naturpark vorangetrieben und konnte alle 42 im Parkgebiet befindlichen Gemeinden überzeugen, sich dem Naturparkverein anzuschließen. Unter seiner Leitung hat der Naturparkverein einen Schwerpunkt auf die Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung gelegt und durch die Auszeichnung der ersten Naturpark-Kita eine Vorreiterrolle im Land übernommen. Zudem sind auf seine Initiative in vier Gemeinden Lernorte im naturoffenen Raum, sogenannte "Grüne Klassenzimmer", eingerichtet worden. Darüber hinaus engagiert sich Ernst Scheel seit über 35 Jahren in der Kommunalpolitik in Sarlhusen und ist dort seit 2008 Bürgermeister.
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