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Energie- und Klimaschutz-Initiative Schleswig-Holstein

Porträt
Jan Philipp Albrecht

Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung

© M. Staudt / grafikfoto.de

Projektbeispiele

Im Rahmen von EKI möchten wir Ihnen einige konkrete Beispiele aus Schleswig-Holstein vorstellen, die verdeutlichen, wie kommunale Wärmeplanung erfolgreich umgesetzt werden kann:

EKI unterstützt das Amt Schlei-Ostsee mit Energiemanagement-Tools beim Sparen

Hintergrund

Wer sparen will, muss wissen, wo zu viel verbraucht wird. Auch in Zeiten relativ niedriger Energiepreise können Kommunen durch zum Teil einfache Maßnahmen in ihren öffentlichen Liegenschaften Energiekosten und Ressourcen einsparen und dabei die Umwelt entlasten.

Die IB.SH Energieagentur unterstützt Kommunen im Rahmen der EKI-Initialberatung bei der Einführung eines Energiemanagements. Zur Unterstützung werden leicht zu bedienende Tools genutzt, die für EKI entwickelt wurden und die sich für kleine und mittlere Kommunen eignen. Die Tools heißen "Gebäude-Energie-Effizienz-Spiegel" (GEES), "Liegenschafts-Energie-Effizienz-Kataster" (LEEK), "Monatliche-Energie-Effizienz-Kontrolle" (MEEK) und werden auf der EKI-Website kostenlos zur Verfügung gestellt: http://www.schleswig-holstein.de/DE/Schwerpunkte/EnergieKlimaschutz/Tools/tools_node.html

Verwaltungen erhalten mit der Nutzung der Tools einen Überblick über den Energie- und auch Wasserverbrauch ihrer kommunalen Liegenschaften. Im Zuge einer anschaulichen Verbrauchsdokumentation der Gebäude und durch den Vergleich des Ist-Zustands mehrerer öffentlicher Liegenschaften lässt sich ermitteln, in welchen Gebäuden sich Einsparmaßnahmen bzw. Sanierungen am meisten lohnen.

Vorgehensweise

Die IB.SH Energieagentur hat das Amt Schlei-Ostsee mit Hilfe der Tools bei den technischen und organisatorischen Fragen zur Einführung des Energiemanagements beraten. "Die Tools bieten einen wertvollen und einfachen Einstieg in ein modernes Energiemanagement", resümierte Gunnar Bock, Amtsdirektor des Amtes Schlei-Ostsee. Seit Sommer 2015 hatten die Amtsmitarbeiter Wärme-, Wasser- und Strom-Verbrauchsdaten für alle öffentlichen Liegenschaften des Bereichs Schlei-Ostsee zusammengetragen, analysiert und für verschiedene Liegenschaften – beispielsweise Feuerwehr-, Schulgebäude und Turnhalle – Einsparungsmaßnahmen identifiziert.

Die Tools sollen auch weiterhin zum Einsatz kommen und das Energiemanagement im Amt verstetigt werden.

Amt Sandesneben-Nusse – Vorbild in Sachen Wärmewende

Hintergrund

In einem Umkreis von sieben Kilometern sind in den vergangenen Jahren im Amt Sandesneben-Nusse sechs Fernwärmenetze auf Basis von Biomasse entstanden. Die erfolgreiche Initiierung, Planung, Umsetzung und der Betrieb der Wärmenetze ist wesentlich auf einen transparenten bürgerorientierten Dialog der kommunalen Vertreter, der Investoren und deren Berater zurückzuführen.

Projekt - Vorgehensweise

Das Amt Sandesneben-Nusse gehört dem Kreis Herzogtum Lauenburg an und umfasst 25 Gemeinden mit ca. 15.000 Einwohnern in ca. 5.150 Haushalten. Über 570 Gebäude (private, öffentliche und gewerbliche) werden über Wärmenetze mit Wärme aus Erneuerbaren Energien (Biogas und Holzpellets) versorgt.

Grund für die Initiierung war für alle Netze recht ähnlich: das Wärmepotenzial eines BHKWs sollte sinnvoll für eine günstige gemeinschaftliche Wärmeversorgung genutzt und Preisstabilität gesichert werden. Mit den beiden Biogasanlagen in Labenz und Wentorf A. S. stehen für die sechs Fernwärmenetze günstige Wärmequellen zur Verfügung. Dieses Potenzial haben nicht nur die Betreiber der Biogasanlagen erkannt, sondern auch die Einwohner der Ortschaften.

In Wentorf hat der Biogasanlagenbetreiber bereits während der Planungsphase für seine Biogasanlage auch begonnen ein Wärmeversorgungsprojekt zu planen. In der Bauphase der Biogasanlage sind die Gemeinde und der Anlagenbetreiber im Rahmen eines Bürgerdialogs auf die Einwohner zugegangen und haben die Bürger über die Vorteile einer gemeinschaftlichen Wärmeversorgung informiert. Dieser Dialog führte dazu, dass sich bereits zu Beginn 43 Haushalte von späteren 49 bereit erklärten, sich der Wärmeversorgung anzuschließen. Die vielen Informationsveranstaltungen und Gespräche an der Haustür, bei denen die Menschen für das Thema sensibilisiert und Vorurteile abgebaut wurden, führten zum Erfolg.

Durch hohe Anschlussdichten konnten jeweils wirtschaftlich tragfähige Wärmenetze mit günstigen Wärmepreisen umgesetzt werden. Die Eigentümer der wärmeversorgten Liegenschaften profitieren seit dem Anschluss an die Netzen von einem sehr niedrigen Primärenergiefaktor, so dass bauliche Erweiterungen oder Verkäufe zu wesentlich besseren Konditionen erfolgen können. Die Gemeinden des Amtes profitieren von höherer Standortattraktivität und überwiegend geringere Betriebskosten bei den öffentlichen Liegenschaften. Mit der hohen Anschlussdichte der öffentlichen Gebäude hat das Amt ein Zeichen gesetzt und ist den Bürgern mit gutem Beispiel vorangegangen. Das Amt konnte den Ersatz fossiler Energieträger rechtfertigen, sofern sie Wirtschaftlichkeitsbetrachtung der öffentlichen Gesamtmaßnahmen mindestens eine schwarze Null ergab.

Zur Absicherung stehen den Wärmenetzen weitere Kessel zur Verfügung, die sowohl Biogas, Flüssiggas, Erdgas sowie Pellets verbrennen können. Weiter Pufferspeicher sorgen für Sicherheit und führen zu fast vollständigen Auslastungen der BHKWs.

20 Mio. kWh Wärme werden zu 94% über Biogas dargestellt. Die restlichen 6% ergeben sich aus den Spitzenlasten, die über fossile Energieträger wie Erdgas und Flüssiggas abgedeckt werden. Durch das Projekt werden jährlich über 5.800 Tonnen CO2 eingespart.

Erfolgsfaktoren

"Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, die Bürger aufzuklären", so Ulrich Hardtke, Bürgermeister von Labenz. Das sei zwar ein langer Prozess, aber irgendwann gäbe es einen Aha-Effekt. „Dann sind alle von der Nachhaltigkeit eines Projekts überzeugt“. Der Dialog hat funktioniert, genauso wie die Versorgung mit Erneuerbaren Energien. Der Bürgermeister ist sich sicher: „Durch die neuen Wärmenetze sind die Bürger noch dichter zusammengerückt“. Größter Erfolgsfaktor war eindeutig der transparente bürgerorientierte Dialog. Die Erfahrungen des Amtes bei der Entwicklung des ersten Netzes führten bei der Übertragung auf die weiteren Netze zu einer Beschleunigung der einzelnen Prozesse und Verfahren.

Ansprechpartner / weitere Informationen

Die Experten des 2. EKI-Fachforums (von links: Gerrit Müller-Rüster, Jürgen Wittekind, Marcus Lange, Bernd Kluckert, Erik Brauer, Reinhard Wilke, Ulrich Hardtke, Martin Ebel, Dr. Klaus Wortmann, Dr. Patrick Hansen) Die Experten des 2. EKI-Fachforums (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Die Experten des 2. EKI-Fachforums (von links: Gerrit Müller-Rüster, Jürgen Wittekind, Marcus Lange, Bernd Kluckert, Erik Brauer, Reinhard Wilke, Ulrich Hardtke, Martin Ebel, Dr. Klaus Wortmann, Dr. Patrick Hansen) © IB.SH

Im Rahmen des 2. EKI-Fachforums unter dem Motto "Wärmewende live und in Farbe" wurde über die Entstehung und Organisation des Projektes, Herausforderungen und Hürden bei der Umsetzung und über die Übertragbarkeit auf andere Gemeinden gesprochen. An diesem Beispiel wurde auf dem Fachforum dargestellt, dass die Wärmewende in Kommunen nicht nur das Klima schützt, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Das Experten- und Projektteam stellte das Projekt vor, informierte über Herausforderungen und Hürden bei der Umsetzung und gab Hinweise zu Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten (siehe Foto).

Zudem sei an dieser Stelle erwähnt, dass das Amt Sandesneben-Nusse mit seinem Projekt, aus dem sechs neue Fernwärmenetze entstanden sind, die aus Biogasanlagen mit Wärme versorgt werden, bei der ENERGIE-Olympiade 2015 den 2. Platz erreicht hat.

Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie hier

Wärmeversorgung Sprakebüll - Kombination von kommunalem und genossenschaftlichem Engagement

Der Wärmeüberschuss eines privaten Biogasanlagenbetreibers (BGA-Betreiber) veranlasste die Gemeinde Sprakebüll, eine Wärmegenossenschaft zu initiieren. Dabei zeigte die Gemeinde besonderes Engagement, da sie die Investitionen in einen Spitzenkessel und das Wärmenetz vorfinanziert und daraufhin an die Genossenschaft verpachtet hat. Über diesen Weg werden die gemeindlichen Investitionen refinanziert.

Hintergrund
Die Gemeinde Sprakebüll im Kreis Nordfriesland (Amt Südtondern, 11,77 km², 21 EW/km²) hat seit über 20 Jahren Erfahrung mit Bürgerbeteiligungsmodellen durch zwei Windparks (1. Windpark mit 22 Bürgern; 2. Windpark mit 183 Bürgern). Dank dem Windkraft-Engagement und den daraus resultierenden Gewerbesteuereinnahmen ist die Gemeinde Sprakebüll wirtschaftlich gut aufgestellt. Da die Gemeinde nicht mit Erdgas erschlossen war, erfolgte die bisherige Wärmeversorgung hauptsächlich durch Ölheizungen.

Projekt - Vorgehensweise
Im April 2012 begann die Gemeindevertretung die Idee zu verfolgen, ein Wärmenetz in Sprakebüll zu errichten. Anlass war eine vorhandene Biogasanlage, die Wärmeüberschuss produzierte. Eine Machbarkeitsstudie lieferte ein positives Ergebnis. Die Ziele der Gemeinde waren mit dem Aufbau des Wärmenetzes vereinbar: Energie- und CO2-Einsparung, Kosteneinsparung für Wärmeabnehmer (Wärmepreis 20% unter Heizölpreis), Steigerung der Gewerbesteuereinnahmen sowie Verlegung von Leerrohren für die Breitbandverkabelung.

Im März 2013 wurde die Energiegenossenschaft Sprakebüll e.G. gegründet, die sich drittelparitätisch zusammensetzt aus der Gemeinde, dem Biogasanlagenbetreiber und den Wärmeabnehmern. Dank der Erfahrungen aus den Windparks war den Bürgern das Modell von Genossenschaften bereits vertraut und von Anfang an herrschte eine positive Grundstimmung in Bezug auf das Wärmeprojekt.

Die Genossenschaft hat zwei Geschäftsführer und drei Aufsichtsratsmitglieder (die Gemeinde, vertreten durch den Bürgermeister; die Biogasanlage, vertreten durch den Geschäftsführer sowie ein Bürgervertreter). Gemäß Gemeindeordnung müssen sich Kommunen bei einem finanziellen Engagement ausdrücklich in dem Maße Einfluss sichern, in dem sie finanziell beteiligt sind - der genossenschaftliche Ansatz lebt aber von dem Grundsatz "one man - one vote". Da dies für die Einbeziehung der Kommune in eine Genossenschaft kommunalrechtlich problematisch ist, hat man in Sprakebüll folgende Lösung gefunden: Die Gemeinde finanziert die Einrichtungen (Spitzenkessel, Wärmenetz) vor und verpachtet diese an die Energiegenossenschaft. Die Genossenschaft übernimmt die Refinanzierung der gemeindlichen Investitionen über Pachtleistungen. Die drittelparitätische Zusammensetzung wurde daraufhin in dieser Form von der Kommunalaufsicht akzeptiert.
Durch den Landwirt wurde eine Biogasleitung vom landwirtschaftlichen Betrieb, auf dem die Biogasanlage steht, im Ort aufgebaut. Die Gemeinde hat einen Spitzenkessel (Bivalent-Brenner für Biogas und Heizöl, Fabr.: Viessmann Vioplex 200; 700 kWth) sowie das Wärmenetz im Dorfkern bis zur Hausübergabestation mit Pufferspeichern in den Gebäuden (25 m3, 200 mm Isolierung, stehend im Außenbereich) beauftragt. 40 Gebäude mit 66 Wohneinheiten werden aus einem Satelliten-BHKW mit Wärme versorgt. Der BGA-Betreiber übernimmt - im Auftrag der Genossenschaft - die technische Betriebsführung. Der spezifische CO2-Ausstoß der BHKW-Stromerzeugung liegt bei 180 g/kWh, der Bundesdurchschnitt liegt bei rund 600 g/kWh.
Die Genossenschaft verteilt die Wärme an Mitglieder / Hauseigentümer und führt die Abrechnung durch. Die Kosten der Gemeinde werden durch Pachtzahlungen von der Genossenschaft refinanziert.
Bei dem Wärmenetzausbau wurde gleichzeitig der gesamte Ort mit Leerrohren für den Breit-bandausbau versehen.

Finanzierung / Förderung
Die Gemeinde hat die Investitionskosten in Höhe von 880.000 € (brutto) vorfinanziert und dafür einen BAFA-Zuschuss in Höhe von 257.000 € sowie ein KfW-Darlehen in Höhe von 553.000 € (mit Tilgungszuschuss in Höhe von 127.350 €) in Anspruch genommen. Die Investitionen hat die Gemeinde damit vollständig vorfinanziert. Die Refinanzierung erfolgt über die Einnahmen der Genossenschaft aus dem Wärmeverkauf. Sie führt die Pacht an die Gemeinde ab.
Für jeden Hausanschluss inklusive Übergabestation und Wärmespeicher wurden keine An-schlusskosten, sondern nur ein einmaliger Genossenschaftsbeitrag in Höhe von 200 € erhoben. Die Wärmeabnehmer mussten für den heizungsseitigen Anschluss an die Wärmeversorgung (Wärmetauscher / Wärmespeicher) selbst sorgen. Die Kosten beliefen sich auf etwa 1.000 bis 1.500 € pro Anschluss.

Erfolgsfaktoren
Die Anschlussdichte in Sprakebüll beträgt ca. 90 %. Die Kombination von kommunalem und genossenschaftlichem Engagement ist gut gelungen. Hervorzuheben ist die drittelparitätische Lösung, bei der BGA-Betreiber, Gemeinde und Anschlussnehmer je eine Stimme haben.

Das Projekt zeigt, dass Energiegenossenschaften für den Aufbau von Wärmenetzen im ländlichen Raum eine gut geeignete Organisationsform darstellen und auch weitere Aktivitäten im Ort auslösen können, wie die Verlegung eines Breitbandnetzes. In 2014 wurden zwei weitere Neubauten an das Wärmenetz angeschlossen, auch für 2015 gibt es bereits zwei Interessensbekundungen für den Anschluss von geplanten Neubauten an das Wärmenetz.
Der Bürgermeister hat dabei eine wichtige Schlüsselposition, denn er ist ein wichtiger Ansprechpartner, häufig auch Initiator und zudem Kommunikator für die Bürger. Das Amt und die Aktivregion haben das Projekt gut unterstützt.

Die besondere Leistung der Gemeinde wurde mit dem Sieg der "Energieolympiade 2013" der EKSH deutlich. Sprakebüll hat eine hohe Vorbildfunktion für Schleswig-Holstein.

Ansprechpartner
Karl-Richard Nissen, Bürgermeister Sprakebüll
Süderlücken 3
25917 Sprakebüll
Tel.: 04662 2807

Herr Thiesen - Amt Südtondern
Marktstraße 12
25899 Niebüll
Tel.: 04661 6010

Dezentrale Wärmeversorgung Eckernförde - die Stadtwerke Eckernförde gehen den Infrastrukturwechsel offensiv an

Seit Ende der 80er Jahre befasst sich die Stadtwerke Eckernförde GmbH mit der Wärmeversorgung durch Blockheizkraftwerke (BHKW). Seit 2010 sind die Stadtwerke den Bau von Wärmenetzen offensiv angegangen. Mittlerweile sorgen 14 Wärmenetze an verschiedenen Standorten in Eckernförde für eine moderne Wärmeversorgung. Ein wesentlicher Grund für den Erfolg ist die beispielhafte Zusammenarbeit zwischen dem Gemeinnützigen Wohnungsunternehmen Eckernförde eG (GWU) und den Stadtwerken sowie das enge Zusammenwirken mit Politik und Handwerk.

Hintergrund
Die jahrelange Erfahrung im Bereich der Wärmeversorgung und eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Gemeinnützigen Wohnungsunternehmen Eckernförde eV (GWU) und den Stadtwerken führte 2010 zu einem Wärmelieferungs-Sondervertrag, den sogenannten "Klimapakt von Eckernförde". Die GWU hat sich damit an die Stadtwerke gebunden, die Stadtwerke haben sich verpflichtet für eine 20-jährige Vertragslaufzeit 1.426 Wohnungen zu beliefern. Zudem übernahmen die Stadtwerke 89 Heizungsanlagen der GWU. 50 Anlagen wurden erneuert. Mit einem Investitionsvolumen von 2,5 Mio € wurde vom Brennstoff Heizöl auf Erdgas umgestellt. Falls möglich, wurden BHKW eingesetzt. Es wurden Brennwertthermen eingebaut und Wärmeleitungen als sogenannte TWIN-Rohre verlegt (Rohrleitungssystem für Fernwärme, bei dem sich die Medienleitungen für Vor- und Rücklauf in einem gedämmten Mantelrohr befinden).

Die Erstellung der Heizungsanlagen wurde an das regionale Handwerk vergeben. Somit konnte auch die regionale Wirtschaft von dem Klimapakt profitieren. Die GWU führten zudem eine energetische Gebäudesanierung an ihrem Bestand durch.

Die Gebäudesanierung und die Erneuerung von Wärmeerzeugungsanlagen bringen sehr gute Ergebnisse in der CO2- und Primärenergieeinsparung.

In Eckernförde-Nord wurde parallel eine Quartierssanierung durchgeführt, von der 495 Wohneinheiten betroffen waren und mit der eine Gesamteinsparung von 1.562 t/a CO2 durch die Heizungssanierung und BHKW-Technik erzielt wurde. Der Anteil an selbst erzeugtem Strom konnte von ca. 4,5 Mio. kWh/a auf über 15 Mio. kWh/a (2013) erhöht werden. Dabei werden ca. 6.800 Tonnen CO2/a eingespart.

Projekt
Mittlerweile sorgen 14 Wärmenetze an diversen Standorten in Eckernförde, die überwiegend in den letzten vier Jahren entstanden sind, für eine dezentrale Wärmeversorgung. Mit Hilfe eines von den Stadtwerken erstellten Wärmeatlanten wird ein Masterplan für den Ausbau der Wärmeversorgung erarbeitet. Die Wärmenetze wurden sowohl im Bestand als auch in Neubaugebieten in Verbindung mit KWK-Anlangen von 70 kWel bis 400 kWel realisiert. Primärenergieträger sind vorwiegend Erdgas / Biomethan, Biogas und Hackschnitzel aus der Knickpflege. Das Baugebiet SonnenECK wird z. B. per "Satelliten-BHKW" über eine Biogasleitung von der Biogasanlage Windeby beliefert. Somit nutzen die Stadtwerke auch eine Stadt-Umland-Kooperation, um regenerative Energien einzubinden.

In einem Teil der mit Wärme belieferten Objekte, die nicht an Wärmenetze angeschlossen sind, werden rund 20 Kleinst-BHKW (5-15 kWel) betrieben.
Inzwischen sind sieben Personen in der Wärmesparte der Stadtwerke Eckernförde beschäftigt. In den kommenden Jahren soll der Bereich weiter ausgebaut werden. Das bisherige Investitionsvolumen im Wärme-Contracting liegt bei mehreren Millionen Euro.

Die Stadtwerke werben offensiv für das Wärme-Contracting. Die Akquisition zeichnet sich durch Flexibilität und durch den wettbewerbsfähigen Wärmepreis aus. Hauseigentümer im Umfeld von Heizzentralen und Wärmetrassen werden direkt angesprochen, umfassend informiert (insbesondere über Preise, Kosten und weitere Vorzüge der Wärmeversorgung) und häufig hinsichtlich des Anschlusses an die Wärmeversorgung überzeugt.

Erfolgsfaktoren
Die Stadtwerke Eckernförde gehen den Infrastrukturwandel zu Wärmenetzen offensiv an. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist das enge Zusammenwirken von Politik, Stadtverwaltung, Stadtwerken, Wohnungswirtschaft, Partnern aus dem Handwerk und Kunden.

Ansprechpartner
Dietmar Steffens
Geschäftsführer
Stadtwerke Eckernförde GmbH
Bornbrook 1
24340 Eckernförde
Telefon: 04351 905-0
Telefax: 04351 905-199
info@stadtwerke-eckernfoerde.de

Wärmeversorgung Lebrade - erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Bürgern und Gemeinde

Durch frühzeitige Bürgerbeteiligung, Erfahrungsaustausch mit der Gemeinde Honigsee und die Gewährung einer Preisstabilität mit transparenten Preisregelungen über 20 Jahre, den Verzicht auf einen Anschluss- und Benutzungszwang sowie die günstige Anschlusskostenbeiträge konnte das Wärmeprojekt in Lebrade erfolgreich umgesetzt werden.

Die Wärmeversorgung wurde mit einer Glasfaserverkabelung gekoppelt, dies erhöhte den Erfolg des Projektes und sorgt dafür, dass die Gemeinde auch nachhaltig attraktiv bleibt.

Hintergrund
2008 initiierte der Gutsverwalter des Guts Rixdorf die Wärmeversorgung der Gemeinde Lebrade (Amt Plön Land, Kreis Plön). Das Gut Rixdorf gehört seit 1790 dem Grafen Westfalen, umfasst ca. 1.800 ha und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Gemeinde. Anstoß für das Wärmeprojekt in Lebrade gab das bereits bestehende Holzheizwerk auf dem Gut. Der Gutsverwalter machte ein Angebot, die Gemeinde mit Wärme zu beliefern. Im Gegenzug sollte die Gemeinde das Wärmenetz erstellen und betreiben. Ziel war es, die bisher genutzten Erdgas- und Heizölanlagen zu ersetzten.

Projekt
Die ersten Schritte zur Initiierung des Projektes wurden vom Bürgermeister sehr gut vorbereitet. Der Bürgermeister ist frühzeitig mit dem Angebot des Guts auf die Bürger zugegangen und hat sich wegen eines eventuellen Interessenkonfliktes direkt an die Bürger und nicht an die Gemeindevertretung gewandt. Insbesondere wurden die Bürger eingebunden, die wichtige Multiplikatoren in der Gemeinde sind, u.a. auch der Altbürgermeister, aber auch solche, die potenzielle Gegner hätten sein können. Dafür wurde u.a. ein Arbeitskreis gegründet. Die erste Einwohnerversammlung zur Vorstellung des Projektes war gut vorbereitet. Für eigene Planungskosten wurden 3.000 € von der Gemeinde freigegeben, Kontakte zu ähnlichen Projekten wie z.B. Honigsee wurden hergestellt und es lag eine Wirtschaftlichkeitsberechnung vor. Den Bürgern konnte somit bereits zum Auftakt der Wärmepreis (Arbeitspreis 8,1 ct/kWh) genannt werden.

Bereits zu Beginn des Projektes hat die Gemeinde Bedingungen an das Gut Rixdorf definiert: günstige Anschlusskosten, dass der Wärmepreis nicht über dem damaligen Preis für Heizöl und Erdgas liegen sollte sowie eine zuverlässige Preisbindung über 20 Jahre. Zudem sollte es keinen Anschluss- und Benutzungszwang geben, denn allein der Wärmepreis sollte überzeugen.

75 von 100 Haushalten waren bei der ersten Veranstaltung vertreten, alle konnten von dem Projekt überzeugt werden und waren zum Anschluss bereit.

Im Februar 2009 wurde die Energiegenossenschaft Bio-Energieversorgung Lebrade eG - BEVL eG - gegründet. Die Wahl für die Genossenschaftsform erfolgte vor allem, um umliegende Ortsteile gegenüber dem Zentralort nicht zu benachteiligen, obwohl im Falle einer kommunalen Organisationsform höhere Fördermittel in Aussicht standen. Zudem sollte die Möglichkeit geschaffen werden, dass die Genossenschaft auch weitere Projekte initiieren kann (z.B. E-Mobilität, PV, Kleinwindanlagen, schnelles Internet).

Die ursprüngliche Planung sah eine Wärmeversorgung aus Holzvergasung vor, durch die Ergebnisse eines Referenzprojektes in Hessen wurde jedoch deutlich, dass diese Anlagentechnologie für das in Lebrade vorgesehene Knickholz nicht geeignet war. Das Gut Rixdorf entwickelte ein Alternativangebot auf Basis von Wärme aus einer neuen Biogasanlage. Die Konditionen blieben vergleichbar mit dem Erstangebot und die Redundanz sollte mittels Holzkesselanlage und Erdgaskessel gesichert werden. Das Alternativangebot mit der Biogasanlage war jedoch umstritten - insbesondere wegen des Maiseinsatzes - und einige Einwohner wollten zurücktreten. Damit befand sich das Projekt an Rande der Wirtschaftlichkeit. Da sich kurzfristig die Möglichkeit ergab, einen Breitbandausbau in das Projekt zu integrieren, wurden die für die Wirtschaftlichkeit erforderlichen Anschlussnehmer trotzdem gefunden.

Die Wärmelieferung wurde im Herbst 2013 aufgenommen. Ende 2013 waren 66 Haushalte (von insgesamt 100) aus Lebrade an die Wärmeversorgung angeschlossen. Details der Wärmeversorgung (Stand Ende 2013):

  • Wärmenetzlänge: 2,5 km
  • Wärmemenge: ca. 3 Mio. kWh/a
  • Stromertrag: 4,7 Mio. kWh/a
  • BHKW: 550 kWel, 620 - Fabrikat Jenbacher
  • Substrateinsatz pro Tag (nach Angaben des Biogasbetreibers): 21 t Mais, 4 t Grünroggen, 12 t Gülle, 2,5 t Hühnermist

Finanzierung / Förderung
Das Investitionsvolumen für die fünfmonatige Bauphase lag bei 1,5 Mio. €. Finanziert wurde der Ausbau von Wärme und Breitband durch Genossenschaftsbeiträge (insgesamt ca. 50.000 €), KfW-Fördermittel (ca. 500.000 €), HealthCheck-Mittel der AktivRegion Holsteinische-Schweiz (ca. 71.000 €), ein zinsloses Darlehen (ca. 60.000 €), BAFA-Mittel (ca. 120.000 € mit ca. 1.800 € je Hausanschluss) sowie vergünstigte KfW-Kredite (ca. 900.000 € für 1,9 %).
Pro Hausanschluss mit Wärmetauscher fielen jeweils 750 € an. Dies war zugleich der einmalige Genossenschaftsbeitrag. Für hauseigene Umrüstungskosten wurden ca. 2.000 € investiert (Kesselmontage, Rohranschlüsse etc.). Der Wärmepreis liegt bei 3 ct/kWh, der Arbeitspreis für Genossenschaftsmitglieder liegt bei 8,1 ct/kWh (netto). Der Grundpreis beträgt 12 €/Monat.

Erfolgsfaktoren
Faktoren für den Erfolg des Projektes sind vor allem die frühzeitige Bürgereinbindung, die Bildung eines Arbeitskreises mit Multiplikatoren aus der Gemeinde (inklusive potentiell kritischer Bürger) sowie die intensive Beratung durch die Gemeinde Honigsee, die bereits Erfahrungen im Wärmeausbau hatte. Die Preisstabilität mit transparenten Preisregelungen über 20 Jahre, der Verzicht auf einen Anschluss- und Benutzungszwang sowie günstige Anschlusskostenbeiträge überzeugte viele Bürger von einem Anschluss.

Die Koppelung der Wärmeversorgung mit dem Breitbandanschluss erhöhte den Erfolg des Projektes und überzeugte auch anfangs kritische Bürger. Durch die Wärmeversorgung und das schnelle Internet hat die Gemeinde deutlich an Attraktivität gewonnen.

Ansprechpartner
Bioenergieversorgung Lebrade eG
Jürgen Prüß
Kollsack 6a
24306 Lebrade
Tel.: (0 43 83) 13 10
www.bevl.de
info@bevl.de