Landesportal Schleswig-Holstein

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es hier.

Digitalisierung - Zukunftsthema für Schleswig-Holstein

© Staatskanzlei

Digitalisierungsprogramm für den echten Norden

Ob im Verkehr oder in der Landwirtschaft, an den Schulen oder bei der Bekämpfung von Kriminalität – die Landesregierung will Schleswig-Holstein Schritt für Schritt zum Vorzeigeland für die Digitalisierung entwickeln.

Eine Frau sitzt mit einem Laptop auf den Knien auf einem Bootssteg. Digitalisierung betrifft unser gesamtes Leben. (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Schleswig-Holstein will digitales Vorzeigeland werden. © Staatskanzlei

"Wir wollen das Land werden, in dem die Menschen beruflich wie privat so gut wie nirgendwo anders die Vorteile der Digitalisierung nutzen können", sagte Ministerpräsident Daniel Günther in der Landesvertretung in Berlin. Hier hatte das Digitalisierungskabinett ein umfangreiches Programm beschlossen, das alle Politikbereiche umfasst und in den kommenden Jahren konsequent weiter entwickelt werden soll.

Digitalisierungsminister Robert Habeck ergänzte: "Die Digitalisierung bietet vielversprechende Perspektiven für unser Land. Insbesondere wenn es gelingt, sie als Querschnittsthema mit hoher Priorität in sämtlichen Bereichen zu verankern." Das könne nur gelingen, wenn innovationsfreudige Menschen in Schleswig-Holstein mit einer offenen und transparenten Verwaltung zusammenkämen. Die Landesregierung wolle die Digitalisierung gemeinsam mit allen Menschen voranbringen und dafür einen verlässlichen Rahmen schaffen: "Für diejenigen, die gemeinsam mit uns die Digitalisierung in Schleswig-Holstein voranbringen und auch für die, die Sorgen haben vor den Risiken der Digitalisierung", sagte Habeck.

Große Chancen für das Land

"Vor allem für die Wirtschaft bietet der digitale Wandel eine Jahrhundertchance", sagte Günther. Auch die ländlichen Räume könnten von der Digitalisierung profitieren. Deshalb gehöre der zügige und flächendeckende Ausbau der Infrastruktur – insbesondere des Glasfasernetzes – zu den zentralen Anliegen der Landesregierung. Mit einer Ausbauquote von 35 Prozent aller Haushalte nehme Schleswig-Holstein im Ländervergleich schon heute eine Spitzenposition ein. "Diese Entwicklung werden wir weiter mit Nachdruck vorantreiben." Dasselbe gelte für die Verfügbarkeit eines stabilen und modernen mobilen Netzes (5G) in den ländlichen Räumen.

Medienkompetenz und Datenschutz

"Wir nehmen die Sorgen der Menschen sehr ernst", sagte Günther. Einige hätten Bedenken, mit dem rasanten Prozess der Digitalisierung nicht Schritt halten zu können. "Unser Ziel muss daher eine für alle offene, freie und gemeinwohlorientierte digitale Welt mit vertrauenswürdigen Standards auch beim Schutz persönlicher Daten sein." Dieser Gedanke dürfe jedoch kein Hindernis für Innovation und Wachstum sein, sagte Digitalisierungsminister Habeck. Im Gegenteil: "Wir wollen zeigen, dass ein hohes Datenschutzniveau kein Hindernis im Wettbewerb ist", sagte Habeck. Wichtig sei es zudem, die Medien- und Digitalisierungskompetenz in der Gesellschaft zu stärken. Dies gelte für junge Menschen ebenso wie für ältere.

Portraitfoto Daniel Günther

Wir wollen das Land werden, in dem die Menschen beruflich wie privat so gut wie nirgendwo anders die Vorteile der Digitalisierung nutzen können.

Daniel Günther

Digitalisierung vor Ort

Extra eingerichtete Lernorte, sogenannte Digitalisierungsknotenpunkte, sollen Bürgerinnen und Bürger mit dem digitalen Wandel vertraut machen. Hier können sie mit Experten ins Gespräch kommen, sich über Entwicklungen informieren und neue Technologien kennenlernen. Eine herausgehobene Rolle soll dabei die Landesbibliothek spielen, ähnliche Piloteinrichtungen sollen außerdem in Meldorf, Lauenburg und Oldenburg entstehen.

Gemeinsam mit den Kommunen will das Land ein Onlineportal errichten, über das Bürgerinnen und Bürger eine Vielzahl von Verwaltungsdienstleistungen in Anspruch nehmen können. Gewerbeanmeldungen, Handelsregisterauskünfte oder die Vergabe von Kita-Plätzen ließen sich so von zu Hause aus erledigen.

Zahlreiche Projekte gestartet

alle öffnen

Kriminalitätsbekämpfung

Für Ermittlungsarbeit der Polizei wird die Auswertung sogenannter "digitaler Spuren" immer wichtiger. Dabei geht es nicht nur um Fingerabdrücke und DNA-Spuren; auch Funksignale und digital aufgezeichnete Daten können entscheidende Hinweise bei Ermittlungen liefern. Das Spektrum reicht dabei von Alltagskriminalität bis zum Tötungsdelikt, von der Cyberkriminalität bis zur Klärung der Schuldfrage bei Autounfällen. So können die von modernen Fahrzeugen aufgezeichneten Daten Aufschluss darüber geben, wann ein Airbag ausgelöst oder ob der Blinker gesetzt wurde. Um solche Hinweise bei Ermittlungen besser nutzen zu können, wird beim Landeskriminalamt ein "Kompetenzzentrum Digitale Spuren" aufgebaut. Zusätzlich sollen zukünftig in allen Teilen des Landes Experten für diese Ermittlungsmethoden sitzen.

Landwirtschaft

In Schleswig-Holstein ist gerade Projekt gestartet, von dem vor allem Landwirte profitieren. In der drei Jahre dauernden Pilotphase stellt das Landesamt für Vermessung und Geoinformation Schleswig-Holstein (LVermGeo SH) Satellitendaten kostengünstig zur Verfügung. Damit unterstützt das LVermGeo SH vorrangig das Precision Farming - eine moderne, meist digitale Form der Landwirtschaft. Landmaschinen können so mit Hilfe des Satellitenkorrekturdatendienstes eine vorher einprogrammierte Strecke vollkommen autonom abfahren und dabei höchst präzise und punktuell Saatgut oder Düngemittel ausbringen. Für die Landwirte erleichtert dieses Angebot die tägliche Arbeit und verhindert zudem die Überdüngung der Böden. Mehr lesen

Gesundheit

Die akutmedizinische Versorgung von Bewohnern und Besuchern der Halligen in Schleswig-Holstein stellt durch die geografischen Besonderheiten und vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung eine Herausforderung dar. Helfen soll das telemedizinische Assistenzsystem HALLIGeMED. Telemedizin kann dabei sowohl eine Brücke zwischen ambulantem und stationärem Sektor als auch zwischen dem ländlichen Raum und Fachärzten im Universitätsklinikum schlagen. Durch die unterstützende medizinische Versorgung von Halligbewohnern soll dieses große Potential genutzt werden. Hier wird – zunächst modellhaft und für die nächsten drei Jahre – die medizinische Notfallversorgung für eine Teilregion des Landes, die ganz besondere Herausforderungen zu tragen hat, verbessert. Experten gehen davon aus, dass sich Telemedizin zu einem elementaren Baustein der Medizin entwickeln wird. Das Pilotprojekt soll im Anschluss evaluiert werden und könnte Pilotcharakter für die Halligen sowie andere ländliche Räume Schleswig-Holsteins haben.

Justiz

Schleswig-Holsteins Justiz ist bei der Digitalisierung bundesweit Vorreiter. Alle Registergerichte und alle Grundbuchämter sind seit langem auf die elektronische Aktenführung umgestellt. Im November 2017 wurde der elektronische Rechtsverkehr in Schleswig-Holstein vorzeitig komplett frei geschaltet. Das bedeutet, dass sämtliche Justizbehörden im Land elektronische Dokumente empfangen und auch elektronisch kommunizieren können. Dazu werden besonders gesicherte elektronische Postfächer genutzt. Bis zum Jahr 2026 ist die vollständige Einführung der elektronischen Aktenführung geplant. Parallel dazu erfolgt bis 2025 der Umbau aller Sitzungssäle in den Gerichten (Mobiliar, Bildschirme, Verkabelung), um sie den Anforderungen der digitalen Aktenführung anzupassen.
Im Bereich Justizvollzug werden die Möglichkeiten zur Nutzung von Videodolmetschern ausgebaut; ebenso die Angebote zur Videotelefonie von Gefangenen mit ihren Familien. Beides dient auch einer besseren Resozialisierung.

Verbraucherschutz

Im Verbraucherschutz gewinnt die Information und Beratung über digitale Kanäle und digitale Themen an Bedeutung. Dazu hat die Landesregierung mit der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein eine Vereinbarung zur Entwicklung eines Digitalisierungs- und Reichweitenkonzeptes geschlossen. Die Umsetzung dieses Konzeptes soll bereits in diesem Jahr beginnen. Außerdem fördert das Land das Pilotprojekt "Online-Schlichter", das Verbrauchern eine kostenfreie Möglichkeit zur außergerichtlichen Streitbelegung mit Online-Händlern bietet.

Aus- und Weiterbildung

Das Land begleitet und unterstützt insbesondere kleine Unternehmen beim Weg in das Digitalzeitalter, etwa durch Hilfe bei der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften. Es wird einen enormen Wandel geben: Manche Berufsbilder werden verschwinden, dafür entstehen neue Berufe.

Verkehr

Auf der Insel Sylt wird bald der erste fahrerlose Bus getestet. Bereits im kommenden Jahr wird an der Autobahn 1 vor Lübeck mit dem eHighway die bundesweit zweite Teststrecke für elektrisch angetriebene Lkw in Betrieb gehen.

Bildung

Erstmals wird das Lernen mit digitalen Medien systematisch in der Lehrkräftebildung in der Aus-, Fort- und Weiterbildung verankert. Das ist der entscheidende Schritt auf dem Weg zur Digitalisierung aller Schulen: Alle Lehrkräfte werden erreicht.
Es wird ein Zentrum für "Blended Learning" aufgebaut. Das bedeutet: Es werden Kurse für die Nutzung digitaler Medien angeboten. Außerdem werden in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Lübeck Medienwerkstätten zur Erprobung digitaler Medien bereitgestellt. So werden zugleich die Bereiche Schule und Hochschule enger miteinander vernetzt.

Wissenschaft

In den Hochschulen etablieren sich mit der Digitalisierung zunehmend neue Konzepte, zum Beispiel "Open Educational Resources" und "Open Science" - vereinfacht gesagt offen zugängliche Lehrveranstaltungen sowie Forschungsergebnisse im Netz. Das Wissenschaftsministerium fördert hochschulübergreifende digitale Dienste und Infrastrukturen. Das umfasst auch den gemeinschaftlichen Aufbau eines breitbandigen Forschungsnetzes sowie den datenschutzkonformen Ausbau Cloud-basierter IT-Dienste. So können Lehrmodule mit digitaler Unterstützung (etwa Videostreaming bei gleichzeitiger Bereitstellung digitaler, interaktiver Lehrinhalte) gemeinsam genutzt oder eine übergreifende Informations- und Dateninfrastruktur für die Forschung aufgebaut werden.

Tiermedizin

Geprüft wird die Entwicklung von Telemedizin-Modulen im Veterinärbereich. Diese sollen zur Verbesserung der tierärztlichen Versorgung in schwer erreichbaren Regionen wie Inseln und Halligen sowie zur Überwachung der Tiergesundheit beitragen. Besonders in Notfällen (etwa die Erkrankung von Tieren oder das Kalben einer Kuh) kann mit Hilfe der Telemedizin ein Beitrag zur Steigerung des Tierwohls geleistet werden.

Energiewirtschaft

Das gesamte System der Energieerzeugung, des -transports und des -verbrauchs steht vor neuen Herausforderungen. Die Digitalisierung vernetzt unterschiedlichste Daten nicht nur innerhalb von Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung, sondern auch zwischen allen anderen Beteiligten. So kann zum Beispiel elektrische Energie in anderen Sektoren, wie dem Wärme- und Verkehrsbereich, untergebracht werden. Hierfür sind intelligente Mess- und Regelsysteme erforderlich. Sie stellen die notwendigen Verbrauchsinformationen bereit, erlauben die Übermittlung von Netzzustandsdaten und unterstützen sichere und zuverlässige Steuerungsmaßnahmen.

Das Energiewendeministerium unterstützt die Akteure bei der Einführung intelligenter Messsysteme. Messstellenbetreiber sollen in der Startphase ab 2018 durch Informationsveranstaltungen mit möglichen Kooperationspartnern gestärkt werden. Beratungsangebote und Fördermaßnahmen der Verbraucherzentrale zur Digitalisierung im Energiebereich sollen begleitend zur Einführung intelligenter Messsysteme in den kommenden beiden Jahren angeboten werden. Im Ergebnis wird dies ein Beitrag sein, um Energie einzusparen.

Sport

Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, eSports im Land zu fördern. Im Rahmen des bis Ende 2020 angelegten Projektes "Zukunftsplan Sportland Schleswig-Holstein" werden Sportvereine durch gezielte Förderung ermuntert, eSports-Abteilungen oder -Sparten zu gründen. In einem ersten Schritt wird es darum gehen, Übungsleiterausbildungen zu unterstützen, um die entsprechenden Kompetenzen in den Vereinen zu schaffen. Die Landesregierung wird dazu eng mit dem Landessportverband und der Sportjugend sowie mit dem e-Sport-Bund Deutschland zusammenarbeiten.