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Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus

Portraitfoto Dr. Bernd Buchholz
Dr. Bernd Buchholz

Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus

© M. Staudt / grafikfoto.de

Land fördert Labor für die Hosentasche

Datum 17.10.2019

Ein norddeutscher Forschungsverbund will den Markt für Pferdemedizin revolutionieren – und erhält dafür mehr als eine halbe Million Euro vom Land.

Es ist der Schrecken jedes Pferdebesitzers oder Reiterhofbetreibers: Nach einem Turnier erkranken Stuten oder Hengste plötzlich an einem hartnäckigen Herpes-Virus oder einer anderen tückischen Infektion. Fast immer haben sich die Tiere in solchen Fällen bei Artgenossen angesteckt – ohne dass deren Besitzer etwas von der Krankheit ahnten. Denn wie beim Menschen kann es auch bei Pferden bis zu einer Woche dauern, bis erste Symptome auftreten.

Solche Fälle von kostspieligen Massen-Ansteckungen im Tierstall könnten bald ein Ende haben: Ein Verbund aus Firmen und Forschungseinrichtungen aus Schleswig-Holstein und Hamburg arbeitet derzeit an einem Schnelltest, mit dem Pferde­besitzer innerhalb von 30 Minuten herausfinden können, ob das Tier einen Erreger in sich trägt – und, wenn ja, welchen. Dieser Schnelltest, "Optochip" genannt, ist ein tragbares Labor im Kleinstformat und verbindet elektronische, optische und biologische Bauteile.

Knapp eine Million Euro Fördermittel

In der Pferdeklinik Tappendorf überreichte Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz nun einen Förderbescheid über knapp 525.000 Euro an Vertreter der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, des Fraunhofer Instituts für Siliziumtechnologie in Itzehoe sowie der Krämer Engineering GmbH mit Sitz in Jevenstedt bei Rendsburg.

"Wir sind optimistisch, dass dieses Gerät in drei Jahren fertig entwickelt ist und in spätestens sechs Jahren serienmäßig produziert werden kann", sagte Buchholz. Optochip habe ein riesiges Marktpotenzial für den gesamten europäischen Raum – und sei ein Beleg dafür, wie innovationsfähig das Verbundnetzwerk "Life Science Nord" sei. Denn an dem Projekt sind mit "Byonoy" und "altona Diagnostics" auch zwei Unternehmen aus Hamburg beteiligt. Diese beiden Firmen erhalten noch einmal knapp 563.000 Euro aus dem "Programm für Innovation" der Hamburgischen Investitions- und Förderbank.

Entwicklung mit großem Potenzial

Menschengruppe In der Pferdeklinik Tappendorf überreichte Wirtschaftsminister Buchholz (4. v. l.) den Förderbescheid. (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)In der Pferdeklinik Tappendorf überreichte Wirtschaftsminister Buchholz (4. v. l.) den Förderbescheid. © Sven Janssen, Kiel

Mobile, kompakte und automatisierte Diagnoseverfahren in der Tiermedizin seien nicht nur in Deutschland gefragt, sagte Buchholz. "Zurzeit existiert auf dem Markt kein System, das diesen Bedarf so umfassend abdecken kann, wie Optochip. Diese Technologie spart Kosten und Zeit bei der Diagnose von Krankheiten im Stall – und zwar künftig absehbar nicht allein bei Pferden". Schon jetzt seien weitere Anwendungsbereiche denkbar, etwa in der Humanmedizin oder in der Lebensmittel- und Umweltanalytik.

Erfolgreich dank Vernetzung

Die Entwickler von Optochip sind Teil des sogenannten Clusters "Life Science Nord". Es verbindet rund 500 Unternehmen aus Medizintechnik, Biotechnologie und Pharma mit Fachhochschulen, Universitäten sowie außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Kliniken.

In seiner Clusterstrategie hat die Landesregierung sieben besonders zukunftsträchtige Wirtschaftszweige benannt, die voraussichtlich 2030 zentrale Wachstumsmotoren des Technologiestandorts Schleswig-Holstein sein werden. Neben Life Science sind dies:

  • Maritime Wirtschaft,
  • Erneuerbare Energien,
  • Ernährungswirtschaft,
  • Informationstechnologien,
  • Telekommunikation und Medien sowie
  • Tourismuswirtschaft.

In jedem dieser Cluster herrscht ein enger Austausch zwischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Politik. So lassen sich neue Technologien und Produkte deutlich schneller und kostengünstiger realisieren.

Weitere Informationen

Clusterpolitik des Landes

Life Science Nord