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LFZHuK, Schleswig -  
Georg-Wilhelm-Pfingsten-Schule

© FRESH!KONZEPT GmbH

Der Kapitän verlässt das Schiff…

Am 31.01.2020 wurde Ingo Degner nach 14 Jahren als Schulleiter des LFZHuK im Rahmen eines Schulentwicklungstages unter dem Motto „Was lehrt uns der Blick zurück für die Zukunft?“ feierlich am LFZHuK in den Ruhestand verabschiede

Der Kapitän verlässt das Schiff… Der Kapitän verlässt das Schiff… (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) © Landesförderzentrum Hören und Kommunikation

Hauptredner zu diesem Anlass war Ingo Degner selbst, denn es ist kaum möglich jemanden zu finden, der ein größeres Wissen über die Entstehung und Entwicklung unserer Schule in Schleswig und über die dazugehörigen Abteilungen hat. Angefangen von Weisheiten der Philosophen der Antike über die Ansätze der Vorreiter zur Gehörlosenpädagogik wie z.B. dem Franzosen Abbé Charles-Michel de l’Epée bis hin zu Georg Wilhelm Pfingsten, dem Namensgeber, Gründer und ersten Schulleiter der damaligen Taubstummenanstalt – unserem heutigen Landesförderzentrum Hören und Kommunikation – teilte er sein großes historisches Wissen mit den geladenen und ihm zu Ehren erschienenen Gästen. Degner referierte zunächst nachhaltig über das Leben und den Werdegang Georg Wilhelm Pfingstens und schilderte den Einfluss, den die folgenden Schulleiter des Instituts und politisch geprägte Umstände auf die Entwicklung unserer heutigen Einrichtung und die Liegenschaft ansich nahmen. Die fortwährende Diskussion zum Umgang mit der Kommunikation der Menschen mit einer Hörschädigung war außerdem Schwerpunkt seiner Ausführungen.

Frau Prof. Dr. Petra Ambrosch von der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkunde, Kopf- und Halschirurgie des UKSH in Kiel schloss sich mit einem lehrreichen Einblick in die Thematik der Fortschritte in Diagnostik und Therapie der Kehlkopferkrankungen an, in dem sie eindrucksvoll die Entwicklung der Kehlkopfspiegelung von der Idee im Jahre 1857 bis heute schilderte.

Anschließend erörterte Dr. Paul Heeg, Psychologe und Leiter der Gehörlosenfachschule in Rendsburg, die Frage, ob es einen typischen Charakter der Gehörlosen gäbe und stellte dabei psychologische und pädagogische Ansätze in einen historisch betrachteten Kontext.

Frau Dr. Mareike Sommer aus der Abteilung für inklusive Bildung berichtete von der Geschichte der Kommunikation und der Unterdrückung der Gebärdensprache, wobei sie insbesondere die Diskussion über die Art der Kommunikation vor und nach dem Mailänder Kongress im Jahre 1880 thematisierte. Hier wurde festgelegt, dass die Lautsprache in Deutschland - im Gegensatz zu den meisten Nachbarländern – der Gebärdensprache vorzuziehen sei. Dies hatte z.B. zur Folge, dass Lehrkräfte, die selbst gehörlos waren und vor dem Kongress als selbstverständlich wahrgenommen wurden, entlassen wurden, damit sie nicht als Vorbild fungieren konnten und das bis in die 90er Jahre des 20ten Jahrhunderts ein Verbot der Gebärdensprache in den Schulen galt.

Abschließend gab Frau Prof. Dr. Gerlinde Renzelberg von der Universität Hamburg mit Hilfe eines Rollenspiels unterstützt von Andrea Kintrup und Hans Bürgstein einen Einblick in die Pädagogik auf dem Gebiet der Hörgeschädigtenpädagogik zwischen heute und damals.

Verabschiedet wurde Ingo Degner schließlich feierlich und offiziell von Frau Dr. Heide Hollmer aus dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, die ihm die offizielle Urkunde für die geleistete Arbeit in seiner Dienstzeit überreichte. Neben der Schilderung seiner Laufbahn, die er bis zur Schulleitung des LFZHuK durchlaufen hatte, fand sie wertschätzende Worte für sein Wirken. Insbesondere Degners Kompetenzen im Bereich der Vernetzung und Kommunikation, die zum Gelingen von Fachlichkeit und Förderung notwendig seien, fanden ihre Würdigung in den Worten des Abschieds. So verglich sie Degners Wirken mit Christoph Kolumbus, der die Bereitschaft gezeigt hätte weiter zu segeln als andere und somit über den Tellerrand hinauszuschauen. So habe Degner z.B. stets die Digitalisierung der Schule vorangetrieben und sei somit Vorbild für die Notwendigkeit der Thematik in der aktuellen Bildungslandschaft gewesen. Auch die Kehrseite der Medaille fand ihre Erwähnung, denn nicht immer sei die Zusammenarbeit mit dem Ministerium einfach gewesen. Jedoch sei auch bei Meinungsverschiedenheiten nie der gegenseitige Respekt verloren gegangen und eine Weiterarbeit habe immer konstruktiv bei Null wieder in Angriff genommen werden können.

Ebenfalls erschienen waren u.a. Dr. Brademann und Dr. Hey von der Universitätsklinik Kiel, Frau Prof.Dr. Leonhard von der Universität München, Landrat Reinhard Sager, Landrat Dr. Wolfgang Buschmann und der neue Bürgermeister der Stadt Schleswig Stephan Dose, die sich wertschätzend für die gelungene Zusammenarbeit während Degners Dienstzeit am LFZHuK bedankten.

Schon am Tag zuvor war Herr Degner von unserer Schülerschaft in der Pausenhalle mit den Worten „Der Kapitän verlässt das Schiff“ verabschiedet worden und nahm eine von den Schülerinnen und Schülern gestaltete Girlande aus Papierschiffchen beladen mit guten Wünschen für die Zukunft entgegen. Der Abschied fällt nicht leicht und bis eine kompetente Nachfolge angetreten werden kann, wird unsere stellvertretende Schulleiterin Andrea Kintrup unterstützt vom gesamten Team des LFZHuK das Schiff weiter auf Kurs halten.