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Landesarchiv Schleswig-Holstein

© Michael Staudt/grafikfoto.de

Wirtschaft und Wahlrecht. Überlegungen zum Verhältnis von Wirtschaft, Politik und Geschlecht um 1900

Das Landesarchiv Schleswig-Holstein lädt im Rahmen der Ausstellung "'Heraus aus der Finsternis!' Weibliche Lebenswelten von der Kaiserzeit bis heute" zu der Vortragsveranstaltung in das Prinzenpalais, Schleswig, ein.

Donnerstag, 21. November 2019, 18.30 Uhr

"Es ist schon so oft gesagt, daß es niemand mehr hören mag: der entscheidende Ausgangspunkt für die Umgestaltung des Frauenlebens, die heute jeder empfindet, ist die Tatsache, daß die Hauswirtschaft sich enger zusammengezogen und dabei ein Stück ehemals weiblicher Arbeitsleistung in die Volkswirtschaft hinausgeschoben hat."

Mit diesen Worten beginnt die bekannte Frauenrechtlerin Gertrud Bäumer ihr 1914 erschienenes Buch "Die Frau in Volkswirtschaft und Staatsleben der Gegenwart". Bäumer verweist darauf, dass die erste Frauenbewegung unter wesentlichem Einfluss ökonomischer Entwicklungsprozesse stand, in deren Folge Frauen zunehmend volkswirtschaftliche Bedeutung erlangten. Bekannterweise steht die reflexive Abhängigkeit zwischen Individuum und Gesamtgesellschaft in enger Verbindung mit politischen Partizipationsrechten. Für die Entstehung eines politisch selbstbewussten Bürgertums waren der Bedeutungsgewinn von Eigentum und Leistung im 19. Jahrhundert eine ebenso wichtige Grundlage wie die Abhängigkeit des modernen Staates von einem einträglichen Steuerwesen. Es erstaunt daher nicht, dass die Forderung nach einem aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen zu einer Zeit lauter wird, in der auch Frauen zunehmend einer finanziell entlohnten Erwerbstätigkeit nachgingen, als Unternehmerinnen tätig wurden und als Konsumentinnen in den Blick der Industrie gerieten. Der Vortrag wird die sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen dieser Entwicklung skizzieren und anhand von vier Beispielen verschiedene zeitgenössische Perspektiven auf das Verhältnis von Wirtschaft, Politik und Geschlecht im 19. und frühen 20. Jahrhundert vorstellen.

Dr. Ole Fischer, geb. 1982, Studium der Geschichtswissenschaft und Philosophie in Kiel, Promotion in Jena, 2015-2019 Leiter des Universitätsarchivs Hamburg, seit 2019 Dezernent im Landesarchiv Schleswig-Holstein.

Eintritt 2 Euro, ermäßigt 1 Euro. Mitglieder des Fördervereins haben freien Eintritt.

Die Ausstellung ist vom 21. März 2019 bis zum 31. Januar 2020 im Landesarchiv zu sehen.