Landesportal Schleswig-Holstein

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es hier.

Landesarchiv Schleswig-Holstein

© Michael Staudt/grafikfoto.de

Erfahrungsberichte aus Ausbildung und Praktika

Diese Berichte stammen von unseren Nachwuchskräften und werden inhaltlich unverändert übernommen.

Eine Lehramtsstudentin auf Umwegen ...

Nachdem ich mein Lehramtsstudium mit den Fächern Musik, katholische Religion und Geschichte erfolgreich beendet hatte, entschied ich mich für ein Praktikum im Archiv, um mehr über die Tätigkeit und den Beruf des Archivars zu erfahren. Bereits während meines obengenannten Studiums merkte ich schnell, dass mir in meinem Geschichtsstudium die Arbeit mit Quellen viel Freude bereitet. Die Exkursionen in Archive und das Paläografieseminar in lateinischer Sprache trugen ihren Teil dazu bei. Jedoch brachte mich das Treffen mit einem Archivar, der voller Euphorie von seinem Beruf und dem Verzeichnen der päpstlichen Archivalien in Rom berichtete, so richtig auf den Gedanken, Archivarin zu werden. Daher bewarb ich mich um einen Praktikumsplatz beim Landesarchiv Schleswig-Holstein, um auch hinter die Kulissen blicken zu können und eine andere Sichtweise, nicht nur die des Benutzers, kennenzulernen.

In meinem sechswöchigen Praktikum durchlief ich jede Abteilung. Zu Beginn erhielt ich eine Einführung in die Geschichte des Landesarchivs Schleswig-Holstein und in die heutige Tektonik sowie in die Entwicklung des Landesarchivgesetzes. Weitere Bereiche waren unter anderem auch das Magazin, in welchem ich beim Umbetten, Ausheben und Reponieren half, und der Lesesaal, in welchem ich zusammen mit den Mitarbeiterinnen die Benutzerinnen und Benutzer beaufsichtigte. In der Restaurierungswerkstatt erhielt ich durch die Restauratorin eine Anleitung in das Säubern und Restaurieren von Schriftstücken. Auch durfte ich, nachdem ich eine Einführung in das Verzeichnen von Beständen erhalten hatte, diese selbstständig erschließen, ordnen sowie verzeichnen und begleitete die Kollegen bei Dienstreisen in andere Kommunalarchive, sodass sich mir ein sehr facettenreiches Bild des Berufes bot und ich so die Abläufe im Archiv kennenlernte.

Im Großen und Ganzen hat mir das Praktikum beim Landesarchiv Schleswig-Holstein sehr viel Spaß gemacht, und ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt. Alle meine Erwartungen wurden erfüllt, sodass ich einen guten Einblick in den Beruf des Archivars erhalten konnte und ich mich in meinem Berufswunsch, Archivarin zu werden, bestätigt fühle. Ein großes Lob geht an das gesamte Kollegium des Archivs. Ich wurde sehr offen und herzlich von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufgenommen, und man scheute sich nicht, meine oft sehr schüchtern gestellten Fragen zu beantworten. Aufgrund meiner gemachten Erfahrungen kann ich es angehenden Praktikanten empfehlen, ihr Praktikum beim Landesarchiv Schleswig-Holstein zu absolvieren, da man hier noch viel Wert auf eine gute Betreuung legt. Somit blicke ich auf eine sehr lehr- und erkenntnisreiche Praktikumszeit zurück, welche ich mit Ehren im Gedächtnis behalten werde.

Juliane Baron
im Dezember 2019

Eigentlich ist mein Arbeitsplatz eine Bibliothek,

denn dort mache ich seit einem Jahr eine Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste, Fachrichtung Bibliothek. Da mein Ausbildungsbetrieb es mir ermöglichte, auch andere Fachrichtungen kennenzulernen, absolvierte ich im Sommer 2019 ein achtwöchiges Praktikum im Landesarchiv Schleswig-Holstein. Dieses Archiv stellte für mich den perfekten Praktikumsort dar, da ich bereits im Laufe meines vorhergegangenen Geschichtsstudiums mit der Landesgeschichte in Berührung gekommen war und ich die Arbeit eines staatlichen Archives kennenlernen wollte.

Innerhalb der zwei Monate durfte ich in diverse Bereiche der Einrichtung Einblicke erhalten: Hierzu zählten beispielsweise das Magazin, der Lesesaal, die Restaurierungswerkstatt, die Sicherungsverfilmung und die Bibliothek. Daneben wurde ich in regelmäßigen Abständen im Lesen der alten deutschen Kurrentschrift unterrichtet, durfte Dienstreisen in andere Archive begleiten und wurde über die Organisation und die vielschichtige Arbeit des Landesarchivs umfassend informiert. Ebenso bekam ich Einführungen in einzelne Bestandsarten wie beispielsweise Nachlässe, Entnazifizierungsakten, Karten sowie Urkunden, Siegel und Handschriften.

Den Hauptteil meines Praktikums machte jedoch die selbstständige Arbeit mit Archivalien aus. Hierbei war ich positiv überrascht, wie viel Vertrauen mir als "Ungelernter" entgegengebracht wurde: Nach einer gründlichen Einweisung erschloss und retrokonvertierte ich eigenverantwortlich drei Teilbestände des Landesarchivs. Unter Absprache mit meiner Betreuerin durfte ich die hierfür benötigten Akten aus dem Magazin ausheben, sichten und verzeichnen. Es war die gesamte Zeit über ein Ansprechpartner vor Ort, den ich bei meiner Arbeit um Hilfe bitten konnte und der mit mir meine Ergebnisse anschließend besprach.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir mein Praktikum sehr viel Spaß gemacht hat. Die Praxiserfahrung hat mir den Berufszweig des Archivars sehr anschaulich aufgezeigt. Hierbei hat mir vor allem die selbstständige Arbeit sehr geholfen. Ich konnte sowohl eine Menge über die Arbeit des Landesarchivs Schleswig-Holstein als auch über die Grundlagen des Archivwesens im Allgemeinen erfahren. Insbesondere aber werde ich die herzliche Betreuung über die gesamte Praktikumszeit hinweg in guter Erinnerung behalten.

Bärbel Grothkopf
im September 2019

Der Berufswunsch eines Kindes

... ist ja immer so eine Sache und selten wirklich ernst gemeint. Mein Berufswunsch hat seine Wurzeln aber tatsächlich zu Grundschulzeiten geschlagen. Damals besuchten wir unser kleines Stadtarchiv, und ich fühlte mich dort sofort wohl. Natürlich wollte ich zwischen früher und heute nicht nur Archivarin werden, sondern zwischenzeitlich auch Lehrerin, Tierärztin und Prinzessin.

Nach meinem ersten Praktikum in eben jenem Stadtarchiv im Jahr 2013 verfestigte sich der Wunsch, Archivarin zu werden, dann aber endgültig. Schnell veränderte sich mein Traum aber in einen Albtraum, als ich feststellen musste, dass ich als Hauptschülerin ohne Latein- oder Französischkenntnisse wohl nicht in das Berufsbild passe. Die geringe Qualifikation ließ mich lange zweifeln, und erst meine Eltern, welche an mich glaubten, Sprachunterricht organisierten und mir zahlreiche Praktika ermöglichten, konnten die Hoffnung schließlich zurückholen.

Eines dieser Praktika absolvierte ich im Landesarchiv Schleswig-Holstein, das mittlerweile zu meinem Ausbildungsarchiv geworden ist. Bereits nach den ersten Tagen meines Praktikums fühlte ich mich hier gut aufgehoben, und in drei Wochen lernte ich deutlich mehr als in über zehn Wochen in anderen Archiven. Das Archiv kümmerte sich so hervorragend um mich als Praktikantin, dass ich die Ausbildung unbedingt hier absolvieren wollte.

Wenn ich nun auf mein erstes Ausbildungsjahr im Landesarchiv Schleswig-Holstein zurückblicke, fühle ich immer noch dieselbe Euphorie wie am ersten Tag. Ich kann auf gute Betreuung, freundliche Kollegen und Kolleginnen und selbstständige Arbeit blicken. Besonders die Verzeichnungsarbeiten in der Datenbank, Recherchen für Benutzer und Benutzerinnen sowie die verschiedenen Dienstreisen machen mir großen Spaß. Meine Fragen werden mir stets beantwortet, und ich fühle mich unterm Strich gut vorbereitet für den Theorieabschnitt an der Archivschule Marburg, welcher anderthalb Jahre dauert.

Letztendlich kann ich guten Gewissens jedem die Ausbildung als Archivinspektoranwärter/in empfehlen und sagen, dass sich die Mühe um die wenigen Ausbildungsplätze wirklich lohnt.

Es bleibt zu sagen, dass ich überglücklich bin, in Schleswig meine Ausbildung machen zu können und es bestimmt nicht bereuen werde.

Judith Ertner
im August 2018

Praktikum – Studentenjob – Archivinspektoranwärterin – Archivarin

Mit einem Pflichtpraktikum während meines Geschichtsstudiums habe ich das Arbeitsfeld des Archivars/der Archivarin genauer kennenlernen dürfen. Bekannt war mir "das Archiv" bereits durch einen Besuch mit der Schulklasse. Nachdem ich mein Praktikum absolviert hatte, wurde mir angeboten, weiterhin auf Werkvertragsbasis dort mitarbeiten zu können. So blieb ich meinem Wahlarchiv eine Weile als Arbeitskraft erhalten und habe viele Kontakte knüpfen können.

Mir wurde – zu meiner großen Enttäuschung – schnell mitgeteilt, dass man dort nicht ausbilden würde und man es doch in der Regel als Quereinsteiger/Quereinsteigerin in diesem Berufsstand nicht ganz so leicht hätte. Man hat mir alsbald nahegelegt, wie die Ausbildung vonstattenginge, dass es eine Archivschule in Marburg gäbe; und um genau zu sein, eben nur dort. Dieser räumliche Aspekt, die Entfernung von zuhause, hat mich eine Weile davon abgehalten, mich auf diese Ausbildung zu bewerben. Als Alternative hatte man mir ein Studium in Potsdam empfohlen. Nun war ich aber bereits schon länger Studentin und wollte doch alsbald in das Berufsleben starten.

Diese Komponente veranlasste mich, nachdem ich durch einen Glücksfall zuvor befristet als Elternzeitvertretung weitere positive Erfahrungen in einem Archiv hatte sammeln können, mich im Landesarchiv Schleswig-Holstein zu bewerben. Nachdem das Auswahlverfahren abgeschlossen war – hier wurde Wert auf ein persönliches Kennenlernen gelegt, fernab des Assessment-Center-Wahns oder anderer langwieriger Einstellungs-Vorverfahren – konnte ich mich über die Zusage freuen.

Endlich durfte ich damit beginnen, das Handwerk des Archivars/der Archivarin korrekt zu erlernen. Im LASH geschieht genau dies: indem wir, derzeit drei Anwärterinnen, aktiv in das Tagesgeschäft eingebunden werden, Lerneinheiten zu speziellen Themen wie Paläografie oder Urkundenlehre erhalten und in all das, was hinter den verschiedensten Abläufen eines Archivs mit etwa fünfzig Mitarbeitenden steht, kennenlernen. Zu den besonderen Tätigkeitsfeldern gehören Dienstreisen, die wir mit verschiedenen Kollegen und Kolleginnen miterleben dürfen. Vor Ort wird dann der theoretische mit dem praktischen Anteil kombiniert. Wichtig ist an dieser Stelle auch der direkte Kontakt zu den Registraturbildnern, der etwa zeigt, wie man als Archiv wahrgenommen wird und was wirklich zählt.

Wer Freude am Umgang mit Menschen, an selbstständiger und vor allem vielseitiger Arbeit hat und zudem der Geschichte nicht abgeneigt ist, kann – so meine bisherige Erfahrung – sehr glücklich in diesem Beruf werden. Ein Blick nach vorn zeigt: Es wird auch weiterhin neue Herausforderungen im Bereich der Technisierung geben und nicht langweilig werden, und die Bereitschaft, auch immer mal wieder Neues lernen zu wollen, kommt nicht zu kurz.

Jana Margarete Schmidt
im August 2018

Moin, ich bin Momke Meusel,

... 19 Jahre alt und momentan die dritte Archivinspektoranwärterin im Landesarchiv Schleswig-Holstein. Dass ich Archivarin werden möchte, hat sich bei mir erst durch die Berufsberatung in der Oberstufe herauskristallisiert. Nach mehreren Gesprächen mit Archivaren und einem Praktikum im Landeskirchenarchiv Kiel war ich mir jedoch sicher, diesen Weg weiterzuverfolgen und mich noch für das kommende Ausbildungsjahr zu bewerben.

Bei den folgenden Tests und Vorstellungsgesprächen war ich zunächst ziemlich überrascht, fast ausschließlich Leute über 23 zu treffen, die alle schon ein Studium oder eine FaMI-Ausbildung hinter sich hatten. Obwohl ich – die damals noch nicht mal das Abitur in der Tasche hatte – leider von keinem Archiv genommen wurde, landete ich immerhin bei einem auf Warteplatz zwei. Daher beschloss ich, die Zeit bis zur nächsten Ausschreibung zu nutzen und möglichst viele andere Archive und Archivformen kennenzulernen.

Hierbei musste ich jedoch feststellen, dass das gar nicht so einfach war. Die meisten Kommunal- und Stadtarchive sind hier in Schleswig-Holstein meist nur mit einer Person besetzt, die das Archiv dann oft auch nur halbtags betreut und dann keine Zeit für eine Praktikantin hat. Auch in Landesarchiven anderer Bundesländer und großen Stadtarchiven werden Praktika meist nur für Schüler/innen oder (Geschichts-)Studierende angeboten. Für jemanden wie mich, der mit der Schule fertig war und nun einfach Archiverfahrung sammeln wollte, war hier kaum Platz.

Nach unzähligen Anfragen konnte ich im Gemeinschaftsarchiv des Kreises Schleswig-Flensburg und der Stadt Schleswig, dem Stadtarchiv Wismar und bei der Außenstelle des BstU (Bundesbeauftrager für Stasi-Unterlagen) in Rostock Praktika machen, wo ich dann noch viel Erfahrung sammeln durfte. Um neben diesen Archivformen auch die Arbeit eines Landesarchivs besser kennenzulernen, hielt ich weiterhin Kontakt zum Landesarchiv in Schleswig.

Als im Winter 2017 durch das zuständige Ministerium eine dritte Ausbildungsstelle bewilligt wurde, konnte ich in diese aufrücken und mit einem halben Jahr Verzug am 1. Juni 2018 die Ausbildung im gehobenen Archivdienst beginnen. Dank eines vorherigen Werkvertrages und der generell freundlichen Atmosphäre im Haus konnte ich mich hier schnell einleben und auch vor dem offiziellen Ausbildungsbeginn einige Unterrichtseinheiten mitmachen und sogar schon eine Dienstreise machen. Im Juni habe ich dann meist alleine in Unterrichtseinheiten das Haus und die einzelnen Bereiche kennengelernt, wobei auch eine mehrtägige Mitarbeit im Magazinbereich und im Lesesaal vorgesehen war.

Obwohl meine Mitauszubildenden – Frau Ertner und Frau Schmidt – doch schon sehr viel mehr mitgemacht und mitbekommen haben und ich auch den sechswöchigen Verwaltungslehrgang noch nicht gemacht habe, lässt einen keiner spüren, dass man noch nicht über alle Vorgänge und Abläufe Bescheid weiß. Wenn Probleme oder Fragen auftauchen, kann man hier jeden alles fragen und bekommt dann auch (fast) immer eine zielführende Antwort. Jetzt bin ich genau zwei Monate hier, und doch kommt es mir schon viel länger vor, weil in dieser Zeit einfach so viel passiert ist. Ich bin gespannt, was mich in den nächsten Wochen und dann ab Oktober in Marburg noch alles erwartet.

Momke Meusel
im August 2018