Landesportal Schleswig-Holstein

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es hier.

Ministerium für Inneres, ländliche Räume und Integration

Portraitfoto Hans-Joachim Grote
Hans-Joachim Grote

Minister für Inneres, ländliche Räume und Integration

Innenministerium

"Wir leben in Sicherheit"

Datum 12.03.2020

Die Zahl der Straftaten ist 2019 auf einen historischen Tiefstand gesunken. Mehr als die Hälfte davon wurde aufgeklärt.

Als das letzte Mal so wenige Straftaten im echten Norden begangen wurden, war Gerhard Stoltenberg noch Ministerpräsident und der Hamburger SV Deutscher Fußballmeister – mit 183.445 gezählten Delikten ist die Polizeiliche Kriminalstatistik so positiv wie zuletzt 1979. "Die Zahlen sind eindeutig: Insgesamt leben wir in unserem Land in Sicherheit. Wer anderes behauptet, der will ganz bewusst Unsicherheit schüren", sagte Innenminister Hans-Joachim Grote bei der Vorstellung der Statistik in Kiel.

Weniger Diebstähle und Einbrüche

Die Zahl der Diebstähle ging im Vergleich zum Vorjahr um weitere 4.280 Fälle zurück und liegt 2019 unter 70.000. "Der wachsame Nachbar ist auch im 21. Jahrhundert unverzichtbar. Unsere Gesellschaft lebt davon, dass wir einander achten und auch aufeinander achten", sagte Grote. Die Zahlen zeigten, dass die Bevölkerung die Hinweise der Polizei zur Vorbeugung immer weiter verinnerliche, sagte Grote. Das wirke sich positiv auf die Zahl der Wohnungseinbrüche aus: Sie ist zum fünften Mal in Folge gesunken.

Mehr Steinwürfe von Brücken

Die Zahl der Morddelikte habe sich hingegen fast verdoppelt und liege bei 53 Fällen, sagte der Minister. Der Grund dafür seien 30 registrierte Fälle von "Steinwürfen von Brücken", bei denen glücklicherweise niemand ums Leben gekommen sei. "Dabei handelt es sich nicht um sogenannte 'Dummejungenstreiche'", betonte Grote. "Es sind derart lebensgefährdende Straftaten, dass sie in jedem Einzelfall als Mordversuche gewertet werden müssen." So seien im vergangenen Jahr zwei Jugendliche zu jeweils sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil sie 2018 wiederholt Steine von Brücken geworfen hatten. Die Steinwürfe beeinflussen auch die Aufklärungsquote bei den Morddelikten negativ. Diese sei auf 40 Prozent gesunken, teilte der Minister mit. Gleichzeitig seien alle elf Morde in 2019 vollständig aufgeklärt worden.

Cyberkriminalität nimmt zu

Hand hält Smartphone vor grünem Rasen Mit dem Smartphone heimische Arten schützen, das macht die "Meine Umwelt"- App möglich. (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Immer mehr Straftaten werden mit dem Smartphone oder dem Computer begangen. © Rostichep / fotolia.de

Ebenso wie die Gesellschaft verändere sich auch die Kriminalität, betonte Grote: Während in den vergangenen Jahren vor allem jugendtypische Straftaten wie PKW-Aufbrüche vorherrschten, stünden heute elektronische Medien im Fokus. "Gerade auch junge Menschen nutzen vermehrt den PC und das Handy als Tatmittel", sagte der Minister. "Die Polizei hat sich mit ihrem Cybercrime-Bekämpfungskonzept strategisch aufgestellt, um die Bekämpfung dieses Kriminalitätsfeldes noch stärker in den Blick zu nehmen."

Mehr lesen: "Wir können mithalten" (Reportage zur Arbeit der Cybercrime-Abteilung bei der Polizei)

Neue Herausforderungen

Eine besondere Herausforderung sei dabei die Professionalisierung überregionaler Banden, ergänzte der Leitende Kriminaldirektor Peter Fritzsche. "Hier nützen noch so gute Erkenntnisse der Polizei vor Ort nichts, hier muss sich die Polizei neu aufstellen", sagte er. So habe die Polizei zusätzliches Fachpersonal in den Bezirks- und Kriminalinspektionen eingestellt und setze landesweit auf spezialisierte Ermittler. "Erst durch eine Auswertung und Analyse teilweise massenhafter Daten können dort Serienzusammenhänge überhaupt erkannt, Täter identifiziert und überführt werden. Bevor wir zu unseren klassischen Ermittlungshandlungen kommen, werden wir zukünftig vermehrt diese Analysearbeit leisten müssen", betonte Fritzsche.

Hinzu kämen zahlreiche Fälle von Cyberkriminalität, die nicht in der Polizeilichen Kriminalstatistik registriert seien, weil die Delikte aus dem Ausland begangen wurden, erklärte Fritzsche. Seit 2015 erfasse die Polizei in Schleswig-Holstein solche Fälle von Telefon- oder Internetbetrug – 2019 waren es mehr als 14.000 Straftaten.

Clankriminalität im Blick

Wie Fritzsche betonte, habe es 2019 weniger nichtdeutsche Tatverdächtige als im Jahr zuvor gegeben. Allerdings sei der Anteil an Mehrfachtätern unter ihnen höher als bei allen anderen Tatverdächtigen. "Hier müssen wir aus meiner Sicht mit Blick auf die aktuell zu beklagende Clankriminalität sehr aufmerksam sein", sagte er. Integration und Prävention seien eine besondere Herausforderung an die Gesellschaft. Gemeinsam mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen werde das Landeskriminalamt deshalb die Studie zur Kriminalität von Zuwanderern fortsetzen. Die Ergebnisse sollen im Frühjahr 2021 vorliegen.

Wissenschaftliche Studie zur Kriminalitätsbelastung von in Deutschland lebenden Zuwanderern (2018)

Teilen: