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Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

Portraitfoto Karin Prien
Karin Prien

Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur

© Bildungsministerium SH

50 Jahre Erfolgsgeschichte

Datum 08.10.2019

1969 wurden die ersten deutschen Fachhochschulen gegründet – in Schleswig-Holstein. Ihre Bedeutung hat seitdem kontinuierlich zugenommen.

Es sind die 60er-Jahre in Deutschland: die Zeit des Wirtschaftswunders und der Studentenbewegung. Die Konjunktur boomt, die Menschen werden wohlhabender – doch es fehlt zunehmend an Fachkräften.

Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft plant eine Änderung der Niederlassungsordnung, um die Anerkennung von Ingenieuren bei einer Beschäftigung im Ausland einheitlich zu regeln. Künftig soll nur noch als Ingenieur anerkannt werden, wer über ein Diplom verfügt.

Von der Fachschule zur Hochschule

Bei Ingenieuren an Fach- und Ingenierschulen in Deutschland führt dieser Plan zu Unmut. Sie fürchten, zu Technikern zweiter Klasse zu werden. Der Besuch der höheren Fachschule berechtigt sie nach einer staatlichen Prüfung zwar zum Berufseintritt in gehobener Position – ein akademischer Abschluss (z.B. ein Diplom) kann dort allerdings nicht erreicht werden.

Gemeinsam mit den Schuldirektoren gehen die Studierenden auf die Straße und fordern eine Aufwertung ihrer Ausbildung. Als Reaktion auf die Proteste einigen sich die Bundesländer 1968 darauf, einen neuen Hochschultyp zu gründen – die Fachhochschule.

Der Norden macht den Anfang

Die ersten vier Institutionen entstanden am 1. August 1969 in Schleswig-Holstein – in Flensburg, Kiel, Lübeck und Wedel. Kurze Zeit später folgten erst Hamburg, 1971 dann weitere Länder.

Auf einem Tisch stehen zwei kleine Roboter in Menschenform. Dahinter stehen drei Männer. Studierende der Informatik und Elektrotechnik an der FH Kiel entwickeln humanoide Roboter. (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Studierende der Informatik und Elektrotechnik an der FH Kiel entwickeln humanoide Roboter. © M. Staudt / grafikfoto.de

In den folgende 50 Jahren entwickelte sich die Fachhochschule zu einem echten Erfolgsmodell: Etwa eine Million Menschen studieren hier inzwischen – das sind rund ein Drittel aller Studierenden. Die Zahl der Fachhochschulen ist in der gleichen Zeit auf 240 gestiegen, neun davon stehen im echten Norden: vier staatliche, drei private und zwei für den öffentlichen Dienst.

Praxisnah forschen und lernen

Zu diesem Erfolg beigetragen hat die stark anwendungsbezogene Ausbildung an den Fachhochschulen. Hier werden junge Menschen durch ein Studium so praxisorientiert wie möglich auf den späteren Beruf vorbereitet.

Fachhochschulen sind hochgradig spezialisiert und unterhalten gute Kontakte zur Wissenschaft und Wirtschaft gleichermaßen. Davon profitieren nicht nur die Studierenden, sondern auch die regionalen Unternehmen – und damit der gesamte Hochschulstandort.

Staatliche Fachhochschulen in Schleswig-Holstein

Von den vier staatlichen Fachhochschulen in Schleswig-Holstein sind drei aus früheren Fachschulen hervorgegangen. Die vierte entstand erst ein Vierteljahrhundert später im Kreis Dithmarschen.

  • Prägend für die Fachhochschule Kiel sind dabei technische und ökonomische Fächer wie Maschinenbau, Elektrotechnik oder Betriebswirtschaftslehre (BWL). Sie bietet als einzige Fachhochschule im Land auch die Fächer Sozialwesen, Landbau und Schiffbau an. Stark nachgefragt ist zudem der Studiengang "Multimedia Production". Die FH Kiel entstand 1969 durch Zusammenlegung mehrerer staatlicher Ingenieurschulen und höherer Fachschulen. Zwischen 1974 und 1994 war ihr zudem die Muthesius Fachschule für Gestaltung angeschlossen, danach wurde diese selbstständig.

  • Die Technische Hochschule (TH) Lübeck konzentriert sich unter anderem auf das Bauwesen: Die Studiengänge Architektur und Bauingenieurwesen sind hier eng verzahnt. Ein Markenzeichen ist die Kombination unterschiedlicher Fächer wie Medizintechnik, Informationstechnik oder Umwelt- bzw. Wirtschaftsingenieurwesen. Sie ist europaweit außerdem ein führender Anbieter für Online-Studiengänge. Die Ursprünge der TH Lübeck liegen im Jahr 1808, als die "Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit" in der Hansestadt eine Navigationsschule gründete. Aus ihr ging 1961 die Staatliche Ingenieurschule Lübeck hervor, die 1969 zusammen mit zwei weiteren Ingenieurschulen zur Fachhochschule Lübeck wurde.

  • Die nördlichste Fachhochschule Deutschlands liegt in Flensburg. Sie bietet klassische Studiengänge wie BWL, Wirtschaftsinformatik, Elektrotechnik und Maschinenbau an. Zu ihren Alleinstellungsmerkmalen zählen Fächer wie Biotechnologie, Medieninformatik, regenerative Energien, maritime Technologien oder Logistik. Sie ist darüber hinaus die einzige Fachhochschule in Schleswig-Holstein, wo das Schiffsoffizierspatent für den technischen und nautischen Wachbetrieb erworben werden kann. Auch sie wurde 1877 als Navigationsschule gegründet, bevor sie 1969 den Status einer Staatlichen Fachhochschule für Technik erhielt.

  • Die Fachhochschule Westküste bietet ein großes Spektrum sehr spezieller Studienfächer an, dazu gehören internationales Tourismusmanagement, "Wirtschaft und Recht" sowie "Management und Technik", aber auch Themen wie Wirtschaftspsychologie und "Mikroelektronische Systeme". Sie ist eine vergleichsweise junge Einrichtung und wurde 1993 gegründet.

Die Fachhochschulen in Bildern