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Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein

© Archäologisches Landesamt S-H

Saalnutzung

Im Saal des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein finden regelmäßig Vorträge statt.

Der Saal wird von der Archäologischen Gesellschaft Schleswig-Holstein e. V. für ihre monatlichen Vorträge genutzt. Die Vorträge sind öffentlich! Es wird kein Eintritt erhoben!

Vortrag am 24. September 2018, 19.30 Uhr: Martin Luther und die deutsche Sprache

von Prof. Dr. Joachim Reichstein (Fahrdorf)

Martin Luther wollte keine neue Kirche gründen. Und dennoch geht die Teilung der Kirche auf ihn zurück. Luther wollte auch keine geeinte deutsche Sprache begründen. Und dennoch hat er einen großen Anteil an unserer einheitlichen deutschen Sprachkultur. Wie groß war Luthers Einfluss auf unsere Sprache? Die Antwort darauf gibt eine Zusammenfassung der sprachgeschichtlichen Forschung der letzten zwei Generationen zu diesem Thema. Luther war eingebunden in die kursächsische Schreibtradition Wittenbergs. Die hohe Autorität und weite Verbreitung von Luthers Bibelübersetzung, geprägt durch seine neue Übersetzungsmaxime und Sprachmächtigkeit, wird als wichtiger Steuerungsfaktor in der jüngeren Sprachgeschichte gewertet.
Hinter Luthers Sprachform der Mitte Deutschlands, seiner guten und sprachmächtigen Übersetzung stand die Autorität des Wortes Gottes – in deutscher Sprache. In der Geschichte des Neuhochdeutschen spielte Luthers Sprache eine wichtige Rolle. Neuhochdeutsch sprechen heute katholische und evangelische Christen gleichermaßen.

Zum Vortragenden: Unser geschätzter und verehrter Ehrenvorsitzender Prof. Dr. Joachim Reichstein gibt uns die Ehre und referiert über ein Thema, dass nicht archäologisch aber gleichermaßen spannend daherkommt. Herr Prof. Dr. Joachim Reichstein ist allen Mitgliedern der AGSH wohl ein Begriff und bekannt: als Gründer der AGSH, als ehemaliger Leiter des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein, Vorsitzender und aktives Mitglied in zahlreichen Verbänden und Organisationen als Landesarchäologe, als imposanter Redner…. und und und…

Joachim Reichstein wurde 1939 in Lüben/Schlesien geboren. Aufgewachsen ist er in Celle, wo er 1959 das Abitur ablegte. Nach seinem Wehrdienst zog es ihn nach Marburg und nahm dort das Studium der Germanistik (deswegen auch dieser Vortrag) und Geschichte auf. Gleich am ersten Studientag wurde er „Assistent von dem bedeutenden Altgermanisten Prof. Dr. Walter Mitzka. Dieser prägte und förderte seine wissenschaftlichen Interessen. Im Jahre 1961 wechselte Joachim Reichstein an die Universität Kiel, um hier weiter Germanistik und Geschichte zu studieren, wechselte aber dann ab 1962 zur Ur- und Frühgeschichte. Dort lernte er Prof. Dr. Georg Kossack kennen, der ihn für seinen weiteren wissenschaftlichen Lebensweg wesentlich prägen sollte. Seine Dissertation über die kreuzförmigen Fibeln wird heute noch als Standardwerk bezeichnet, gelang ihm doch die Periodisierung der norddeutschen, skandinavischen und englischen Völkerwanderungszeit.
Von 1967–1969 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent in Saarbrücken, in dieser Zeit führte ihn sein Weg zu einer Ausgrabung in den Libanon. Die Untersuchungen in Alt-Archsum auf Sylt in den folgenden Jahren bildeten den wissenschaftlichen Ansatz, der die weiteren Forschungen und die Arbeit in der Denkmalpflege prägen sollte. Ab 1983 bis 2004 war Joachim Reichstein Leiter des Landesamtes für Vor- und Frühgeschichte von Schleswig-Holstein, was später das noch heute existierende Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein wurde. 1987 wurde ihm der Titel eines Professors verliehen. Die schleswig-holsteinische Archäologie verdankt Joachim Reichstein viel. Sein Engagement endete mit seiner Pensionierung keineswegs und wir sind froh, dass er immer noch so „rührig“ ist.

Vortrag am 29. Oktober 2018, 19.30 Uhr: Die Ausgrabungen in Haithabu 2017

von Dr. Sven Kalmring (Schleswig)

Die Ausgrabungen auf dem Flachgräberfeld von Haithabu nahmen ihren Ausgangspunkt in der Altgrabung von Helmer Salmo aus dem Jahre 1939. Wegen Ausbruchs des 2. Weltkrieges wurde die Ausgrabung bereits nach 2 Wochen wieder niedergelegt. Am Tage des Überfalls auf Polen, am 1. September, wurden die verbleibenden Befunde mit Dachpappe abgedeckt und die Untersuchung überstürzt abgebrochen. Das Flachgräberfeld wurde vor allem in den Jahren 1908 bis 1912 durch Friedrich Knorr auf einer zusammenhängenden Fläche von 400 m2 studiert. Mit seinen 319 Gräbern, seiner dichten Belegung und fehlenden Grabbeigaben kommt diese Fundsituation einem christlichen Friedhof nach unseren heutigen Vorstellungen sehr nahe. „Echte“ christliche Gräber verfügen generell über keine Beigabenausstattung und sind ost-westlich orientiert, um am Tage des Jüngsten Gerichtes die Rückkehr des Heilands zu erblicken. In der Übergangsphase, die wir in Haithabu fassen, gibt es Gräber mit heidnischer und christlicher Symbolik.
Mit der anschließenden Erweiterung der Grabungsfläche in Richtung Südwesten wurde erwartet, Gräber aus der Spätphase von Haithabu aus dem 10. und 11. Jahrhundert untersuchen zu können. Was dabei heraus gekommen ist, erfahren wir in dem Vortrag!

Zum Vortragenden: Sven Kalmring  wurde 1976 in Hamburg geboren. Er studierte Ur- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie und Volkskunde in Kiel und Lund. Im Jahre 2002 fertigte er seine Magisterarbeit Zu den Hafenanlagen von Hedeby. Dendrochronologische und kulturgeschichtliche Untersuchungen zu den Befunden der Ausgrabung 1979/80 an. Eine Vertiefung dieses Themas folgte 2008 in seiner Dissertation Der Hafen von Haithabu. Er arbeitete seit Ende seines Studiums in verschiedenen Projekten im Museum für Archäologie, dem Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie in den Landesmuseen Schleswig-Holstein Schloss Gottorf und für die Universität in Stockholm. Zurzeit ist er im ZBSA als fester Mitarbeiter eingestellt. Seit 2015 hat er außerdem die Projektleitung der Untersuchungen "Birka's Black Earth Harbour 2015", zusammen mit Lena Holmquist, Arkeologiska forskningslaboratoriet, Stockholms universitet.

 

 

 

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