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Förderung hochbegabter Underachiever (Minderleister)

Staatskanzlei

Förderung hochbegabter Underachiever (Minderleister)

Mit Underachievement (Minderleistung) bei hochbegabten Schülerinnen und Schülern ist das Auseinanderklaffen zwischen dem vorhandenen intellektuellen Potential (IQ ≥ 130) und der tatsächlich gezeigten Leistung (Performanz) gemeint. Underachievement entsteht über einen langfristigen, oft schleichenden Prozess. Die Entstehungsgeschichte von hochbegabten Minderleistern im Sekundarstufenbereich lässt sich häufig in den Grundschul- oder Vorschulbereich zurückverfolgen.

Woran erkennt man Underachievement?

Prof. D. Rost[1] nennt zahlreiche "Verdachtsmomente“, die Lehrkräften Hinweise auf eine mögliche Hochbegabung bei unterdurchschnittlichen Leistungen geben können, zum Beispiel:

  • besondere intellektuelle Leistungen in außerunterrichtlichen oder außerschulischen Bereichen; Berichte von Eltern unter anderem über besondere Fähigkeiten, Leistungen, Expertise,
  • deutlicher Leistungseinbruch nach früheren sehr guten Leistungen,
  • schnelle Auffassungsgabe bei Einführung neuer Unterrichtsthemen,
  • vereinzelte oder gerade bei schwierigen Themen auffallend gute Beiträge bei ansonsten schwacher Aufmerksamkeit,
  • kaum Beteiligung am Unterricht, aber korrekte Antworten auf direktes Befragen.

Als Symptome werden in der Literatur darüber hinaus häufig beschrieben - in Bezug auf das schulische Arbeiten:

  • eine reduzierte Leistungsmotivation, häufig verbunden mit einem Desinteresse an schulischem Lernen,
  • eine Anstrengungsvermeidungshaltung,
  • defizitäre Lern- und Arbeitstechniken,
  • Probleme in der Beziehung zu Lehrkräften und Mitschülern,

und in Bezug auf Persönlichkeitsmerkmale:

  • ungünstige Kontrollüberzeugung,
  • ungenügend entwickelte Fähigkeit zur Selbststeuerung,
  • mangelndes Selbstvertrauen.

Zunächst gilt es zu schauen, worin diese Symptome ihre Ursache haben. Als Ursachen werden in der Literatur häufig beschrieben - in Bezug auf das schulische Arbeiten:

  • frühe und anhaltende Unterforderung, auch in Bezug auf die angebotenen Lern- und Arbeitstechniken,
  • die Art der Stoffvermittlung (lehrerzentriert/viele Wiederholungen/schrittweises Lernen) und damit verbunden die fehlende Notwendigkeit, solide Lern- und Arbeitstechniken zu entwickeln,
  • das Gefühl, nicht verstanden zu werden (keine/kaum Wertschätzung gegenüber der eigenen Leistungsfähigkeit/Missverständnisse/andere Interessen),
  • widersprüchliche Wertvorstellungen hinsichtlich schulischen Lernens in Schule und Familie,
  • ausgeprägte außerschulische Interessen, die viel Zeit binden und zur Vernachlässigung der Schule führen,

in Bezug auf Persönlichkeitsmerkmale:

  • positive oder negative Erfahrungen werden als Glück, Zufall oder Pech betrachtet und nicht auf den eigenen Einfluss zurückgeführt,
  • negative Erfahrungen z.B. Mobbing, kritische Lebensereignisse, die den Leistungsabfall/die fehlende Antriebskraft verstärken.

Was ist zu tun?

Die Förderung und Unterstützung zum Abbau des Underachievement bei einem hochbegabten Schüler/einer hochbegabten Schülerin muss an den beschriebenen Symptomen und deren Ursachen ansetzen, wobei eine auf den jeweiligen Einzelfall abgestimmte Strategie zu entwickeln ist.

Vorrangiges Ziel einer Förderung/ Unterstützung sollte die positive Stärkung der Lern- und Persönlichkeitsentwicklung der Schülerin/des Schülers sein.

Dazu ist es erforderlich, das Selbstwertgefühl der Schülerin/des Schülers zu verbessern, das heißt die persönlichen Stärken des Schülers/der Schülerin müssen im Gespräch zwischen Lehrkräften/ Erziehungsberechtigten und Betroffenen thematisiert werden. Diese Stärken muss der Schüler/die Schülerin bei den Unterstützungsangeboten einbringen können. Erfolgserlebnisse müssen gezielt ermöglicht werden und auch kleine Fortschritte bemerkt und positiv verstärkt werden. Die Erwartungen und Zielsetzungen müssen daher realistisch und gut erreichbar sein.

[1] Rost, D.H., Sparfeldt, J.R. „Underachievement“ aus psychologischer und pädagogischer Sicht in: Hessisches Kultusministerium, Hochbegabung und Schule, 1. Auflage 2008 Seite 61