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Ausbildung - Arbeiten beim Land Schleswig-Holstein

© Holger Stöhrmann

Das Land am Laufen halten

Verantwortungsvolle Aufgaben, gute Ausbildung und Einsatzbereitschaft: Wer beim Finanzamt arbeitet, kann etwas bewegen.

Wenn Kevin Jensen und Henrik Jessen von ihrer Arbeit erzählen, dann tun sie das mit Stolz. Denn als Finanzwirte leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag für Schleswig-Holstein. Egal ob Straßen erneuert, Lehrer und Polizisten eingestellt oder neue Schulen gebaut werden müssen: Ohne Geld würde das Land seine Aufgaben nicht wahrnehmen können. "Wir Finanzwirte sorgen in den Ämtern vor Ort dafür, dass beim Einzug der Steuern alles mit rechten Dingen zugeht", sagen sie.

Optimale Arbeitsbedingungen

Die beiden jungen Männer stammen von der Westküste und arbeiten im Finanzamt Nordfriesland. Dem Weg dorthin ging bei Kevin eine Ausbildung zum Elektroniker bei der Bundeswehr voraus. Nach zwei weiteren Jahren in der freien Wirtschaft gab er den Job aufgrund der Arbeitszeiten auf. Ein Freund berichtete ihm dann von den guten Arbeitsbedingungen in der Steuerverwaltung.

"Grund genug, sich beim Land um eine Ausbildung zum Finanzwirt zu bewerben", sagt Kevin. Den Anforderungen fühlte er sich gewachsen – Mathe sei schließlich schon immer eines seiner stärksten Schulfächer gewesen, sagt er.

Nicht nur für Mathe-Genies

So ähnlich dachte auch Henrik. "Ich ging davon aus, dass die Ausbildung sehr viel fortgeschrittene Mathematik beinhalten würde. Tatsächlich brauchten wir aber nur die Grundrechenarten und den Dreisatz", erklärt der 26-Jährige.

Er selbst hatte vor seiner Ausbildung beim Land eine Banklehre beendet und zwei Jahre in St. Peter-Ording gearbeitet. Im Zuge von Fusionsverhandlungen wurde ihm allerdings gekündigt – eine prägende Erfahrung für den Hobby-Fußballspieler: "Danach suchte ich einen sicheren Job – und fand ihn beim Land", sagt er.

Zwei Männer sitzen am Schreibtisch und schauen sich Akten an. Finanzwirte bei der Arbeit (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Das deutsche Steuerrecht ist umfangreich. Durch die guten Lehrer und gegenseitige Hilfe ist es aber für jeden erlernbar. © Staatskanzlei

Theorie spannend vermittelt

Besonders überraschend war für Henrik und Kevin der theoretische Teil ihrer zweijährigen Ausbildung zum Finanzwirt. "Ich hatte richtig trockenen und langweilig verpackten Stoff erwartet. Dass mich der Unterricht jedoch derart begeistern könnte, hätte ich nicht gedacht", sagt Kevin. Das führt er vor allem auf die Kompetenz der Lehrer zurück, die die Thematik sehr anschaulich und mit der richtigen Portion Humor vermitteln könnten.

"Mich hat außerdem überrascht, mit welchem Verantwortungsbewusstsein sich das Land um seine Mitarbeiter kümmert", ergänzt Henrik.

Ausbildung fördert Zusammenhalt

Anwärter der Steuerverwaltung absolvieren die Theorie-Module im Bildungszentrum der Steuerverwaltung in Malente. Im ehemaligen Hotel "Holsteinische Schweiz" besuchen die Auszubildenden nicht nur den Unterricht – sie verbringen dort auch ihre Freizeit.

"Neben fachlichen Inhalten wie Steuerrecht oder Buchführung gibt es ein breites Sportangebot", sagt Kevin. Vor allem in den Sommermonaten habe ihm die Ausbildung in Malente Spaß gemacht. "Dann nämlich lädt der nur drei Minuten entfernte Kellersee zum Schwimmen ein", verrät er.

Dass die Anwärter in Malente für mehrere Wochen bis Monate zusammenleben, wirkt sich auch positiv auf den Zusammenhalt aus. Kevin und Henrik sind dort gute Freunde geworden. "Wir waren Zimmergenossen und haben uns von Anfang an sehr gut verstanden. Während der Ausbildung haben wir viel zusammen gelernt und konnten uns gegenseitig helfen", sagt Henrik. Das habe die Ausbildung ungemein erleichtert.

"Alles andere als eintönig"

Die tatsächliche Arbeit steht der Ausbildung in nichts nach. "Auch wenn die Unterrichtsstunden zu Buchführung und Steuerrecht sehr umfangreich sind, ist die Praxis beim Finanzamt alles andere als eintönig", findet Marco Thomsen. Der 35-jährige Vater von drei Kindern wuchs in Husum auf und verließ 2001 die dortige Berufsfachschule mit der mittleren Reife im Bereich Elektrotechnik. Daran knüpfte auch er eine Ausbildung zum Elektroniker bei der Bundeswehr an, wo er sich außerdem für zwölf Jahre verpflichtete.

Eigentlich wollte er bei der Bundeswehr bleiben – als Berufssoldat. Doch seine Bewerbung wurde abgelehnt, woraufhin er sein berufliches Glück in der Steuerverwaltung des Landes suchte. "Mir waren vor allem Sicherheit und Abwechslung wichtig", erzählt er. Das Finanzamt sei dafür die richtige Adresse gewesen.

Auf Messe überzeugt

Anders als er fand Julia Lafrentz ihre Berufung für das Finanzamt unmittelbar nach dem Abitur. Die 22 Jahre alte Diplom-Finanzwirtin wollte ursprünglich Medizin studieren, doch auf einer Jobmesse in ihrer Heimatstadt Bad Oldesloe überzeugte sie sich von den Vorteilen der Steuerverwaltung.

"Die Messevertreter des Finanzamtes haben am Beispiel einer Kasse sehr anschaulich erklärt, wie Rechnungen falsch registriert werden können und wie die Betriebsprüfung in solchen Fällen vorgeht. Das fand ich unglaublich spannend", sagt sie.

Kein trockener Bürojob

Sorge, die Arbeit im Finanzamt könnte trocken und eintönig sein, hatte sie nicht. "Viele meiner Freunde wollten mir das anfangs ausreden. Sie glaubten, ich sei zu witzig fürs Finanzamt", erzählt sie lachend. Dieses Bild einer verstaubten Steuerverwaltung kann Julia allerdings nicht bestätigen – sie hat im Studium und auf der Arbeit ganz andere Erfahrungen gemacht.

Vor allem die abwechslungsreichen Tätigkeitsfelder widersprächen dem Bild einer trägen Verwaltungsarbeit. "Im Finanzamt geht es nicht nur um die Bearbeitung von Steuererklärungen. Wir haben zum Beispiel auch eigene Vollzieher für die Vollstreckung steuerlicher Forderungen oder führen Außenprüfungen durch", erklärt Julia. "Daneben gibt es noch Rechtsbehelfsstellen, Erhebungsstellen und Veranlagungsstellen", ergänzt Marco.

Eine Frau steht neben einem Rettungsring auf einem Pier. Julia an der Kieler Förde (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Julia Lafrentz ist froh, den Weg zum Finanzamt gegangen zu sein. © Staatskanzlei

Zwei Wege zum Ziel

Neben der Ausbildung zum Finanzwirt in Malente kann der Weg zum Job auch über ein duales Studium zum Diplom-Finanzwirt erfolgen. Dieses findet an der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung in Altenholz statt und dauert drei Jahre. Diplom-Finanzwirte werden anschließend in den gehobenen Dienst eingegliedert.

"Das Studium ist tiefgründiger als die Ausbildung und dauert ein Jahr länger", sagt Julia. "Arbeitsplätze, die sich mit umfangreicheren Steuerproblematiken befassen, werden deshalb überwiegend vom gehobenen Dienst besetzt", erklärt sie.

Verantwortungsvolle Aufgaben

Auch wenn sich beide Wege zum Finanzwirt in einigen Punkten unterscheiden, gibt es doch Gemeinsamkeiten. "Fleiß und Sorgfalt werden überall groß geschrieben", da sind sich alle vier Finanzwirte einig. Schließlich arbeite man jeden Tag mit Geld. Da sei es wichtig, stets bei der Sache zu sein.

Vorteilhaft ist außerdem, sich für Recht begeistern zu können. "Steuerrecht, Privatrecht, Öffentliches Recht – in meinem Studium kam da ganz schön viel Lernstoff zusammen", sagt Julia. Es brauche ein Mindestmaß an Disziplin, wenn man alles verstehen will.

Doch der Aufwand lohnt sich: "Jetzt sind wir Experten für Steuererklärungen", sagt Kevin lachend. Allerdings seien sie eben Finanzwirte und keine Steuerberater. "Deshalb müssen wir Anfragen von Bekannten, ob wir ihre Steuererklärungen ausfüllen könnten, leider ablehnen", sagt Henrik.

Weitere Informationen zur Ausbildung zum Finanzwirt

Weitere Informationen zum dualen Studium zum Finanzwirt (Diplom)

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